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	<description>Die Argen im Ausland</description>
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		<title>first time iran</title>
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		<title>Abschied</title>
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		<pubDate>Sat, 30 Sep 2006 13:18:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>tinenatali</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Abschied 
Ich hätte noch soviel schreiben können, wollen, sollen …. Doch der weblog (also ich) hatte nicht den Anspruch, einen kompletten Abriss über den Iran zu liefern. Wer kann das schon. Immer wieder wird mir hier bestätigt, dass die Leute zwei Gesichter hätten – nicht böswillig, sondern um in diesem Regime überleben zu können. Krieg [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=tinenatali.wordpress.com&blog=384513&post=31&subd=tinenatali&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><span><font face="Arial">Abschied </font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Ich hätte noch soviel schreiben können, wollen, sollen …. Doch der weblog (also ich) hatte nicht den Anspruch, einen kompletten Abriss über den Iran zu liefern. Wer kann das schon. Immer wieder wird mir hier bestätigt, dass die Leute zwei Gesichter hätten – nicht böswillig, sondern um in diesem Regime überleben zu können. Krieg da mal was Vernünftiges aus den Leuten raus…. Ich konnte nicht alles aufschreiben, was ich sah – wer hat auch soviel Zeit zum Lesen? Aber es ist alles in meinem Kopf und wenn jemand von mir irgendetwas wissen möchte, freu ich mich und erzähle. Auf Monate hinaus werde ich dabei persische Süßigkeiten anbieten können … ein Koffer ist nur damit voll!</font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Mein farsi ist wesentlich besser geworden. Ich verstehe an einem Abend mit zig Gästen aller Altersstufen schon recht viel und mische auch gut selber mit – einmal hab ich sogar nen Witz erzählt….</font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Längst kann ich Geröllhalden von Geschäften unterscheiden. Im Auto werde ich auf meinem Sitz immer noch durch die Gegend geschüttelt, nun aber ohne mir dabei auf die Zunge zu beißen! Ich bin daran gewöhnt, dass die meisten Backstuben so aussehen, wie ich mir Gefängnisse aus Uralt-Western vorstelle, so karg und vergittert sind sie. Und die Dorf-Friseure wie vor 100 Jahren… Müßig zu erwähnen, dass man dort natürlich nie Frauen sitzen sieht … sie werden in nicht einsehbaren Räumen frisiert. Und wenn ich schon dabei bin: Bis auf die Haare aufm Kopp und Bärte rasieren sich viele Perser bzw. stutzen die Körperhaare auf Kornlänge! Das war früher gegen die Läuse wichtig und heute tun es die meisten eben immer noch. Auch die Mädels – ich habe schon sehr oft überraschend einen rasierten Unterarm angefasst!</font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Auch lache ich mich im Restaurant nicht mehr schlapp, wenn ich vom Kellner nach dem Essen einen Zahnstocher und einen Bananen-Kaugummi gereicht bekomme! Ersteres für die Kebab-Reste &#8211; klar &#8211; , aber Zweiteres gegen die Knoblauch-Fahne! Ich mag beides nicht, bringe aber Anschauungsstücke mit.</font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Dieser Text aus der Serie „wo man so zum weblog schreiben kommt&#8220; entsteht übrigens gerade im Norden Irans am </font></span><span><font face="Arial">Schreibtisch im Ausstellungsraum eines Möbelgeschäfts. Das Geschäft gehört einem Mann, der meinem Vater Geld schuldet und ihm stattdessen ein Grundstück seines Cousins anbieten will, weshalb die zwei mal eben für ne (persische!) Stunde zum Objekt rausgefahren sind, während ich in Steckdosennähe bleibe, um endlich mal weiter schreiben zu können. </font></span><span><font face="Arial">Indem ich dies tippe, kommt eine Kundin rein und möchte von mir beraten werden! Na schön, seh ich eben aus, wie eine Möbelverkäuferin….?! Ich lasse sie höflich ihre Wünsche zu Ende formulieren und hole dann jemanden aus der Schreinerei, die nur durch eine mit Polsterstoff bezogene Wand vom Verkaufsraum abgetrennt ist, so dass man die entsprechende Geräuschkulisse auch gleich im Laden hat!</font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Draußen regnet es eine halbe Stunde lang ziemlich heftig. Niemand hat einen Schirm. Erst später am Tag sehe ich einen Händler hektisch einen ganzen Kofferraum voller Schirme ausladen … diesen Artikel kann man hier getrost monatelang einmotten.</font></span></p>
<p><span><font face="Arial">Wieder zurück in Teheran wollten wir nur eine Cousine mit ihren beiden Töchtern besuchen … an dem Schuh-Haufen vor der Wohnungstür hätte ich schon merken müssen, dass es doch mehr Leute sein müssen … Es waren 34 ! Die wollten mich vor Abflug noch mal sehen &#8230; . </font></span></p>
<p><span><font face="Arial">Ich hatte im ersten weblog erwähnt, dass meine Ankunft gefilmt worden ist – der Film ist inzwischen professionell geschnitten, mit Musik unterlegt und wirklich klasse geworden! Wir alle haben ihn gestern geguckt – richtig spannend und liebevoll gemacht! Der „Regisseur&#8220; (mein Großcousin) kommt nachher noch hier vorbei und bringt mir eine Kopie davon! Ein anderer bringt noch schnell eine CD mit Fotos und Filmen von unseren Abenden in Hadji Kolla. Und ein dritter stellt mir noch gerade noch eine CD mit persischer Musik zusammen. Bei sovielen auf-den-letzten-Drücker-Aktionen fühle ich mich auch sehr heimisch <img src='http://s.wordpress.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Ein Schlusswort für so eine Reise ist mindestens ebenso schwer, wie Anfangs etwas in Worte zu packen, was man nur selber erleben und fühlen kann. Aufgeschrieben kann soviel Gefühl meiner Familie und der Freunde schnell kitschig oder übertrieben wirken – so wie man manchen Sonnenuntergang einfach nur genießt und auf Fotos verzichtet, weil es auf einem Bild zu „gemalt&#8220; wirken und der Sache nicht gerecht werden würde. Nur wenn man dabei ist, da drin ist, merkt man, dass das alles echt ist – und selbst dann kann man es noch nicht fassen.</font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Sonntag bin ich wieder daheim.</font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Inshallah <img src='http://s.wordpress.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </font></span></p>
<img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/tinenatali.wordpress.com/31/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/tinenatali.wordpress.com/31/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/tinenatali.wordpress.com/31/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/tinenatali.wordpress.com/31/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/tinenatali.wordpress.com/31/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/tinenatali.wordpress.com/31/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/tinenatali.wordpress.com/31/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/tinenatali.wordpress.com/31/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/tinenatali.wordpress.com/31/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/tinenatali.wordpress.com/31/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/tinenatali.wordpress.com/31/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/tinenatali.wordpress.com/31/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=tinenatali.wordpress.com&blog=384513&post=31&subd=tinenatali&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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		<title>Ramasahn</title>
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		<pubDate>Sat, 30 Sep 2006 11:41:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>tinenatali</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Noch lieber als im Teheraner Vorgarten sitze ich in der großen Küche von Hadji Kolla auf der Bank mit dem Laptop auf dem Schoß und richtig gutem frischem Wind um die Nase! Was für eine Erholung – endlich saubere Luft! Als ich vorgestern in einer miesen Mücken-Nacht in Teheran aus Verzweiflung nachts bei geschlossenem Fenster [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=tinenatali.wordpress.com&blog=384513&post=30&subd=tinenatali&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><span><font face="Arial">Noch lieber als im Teheraner Vorgarten sitze ich in der großen Küche von Hadji Kolla auf der Bank mit dem Laptop auf dem Schoß und richtig gutem frischem Wind um die Nase! Was für eine Erholung – endlich saubere Luft! Als ich vorgestern in einer miesen Mücken-Nacht in Teheran aus Verzweiflung nachts bei geschlossenem Fenster schlief und es morgens zum Durchlüften öffnete bevor ich ins Bad ging, traf mich die Keule als ich wieder ins Zimmer kam …es roch wie in einer runtergekommenen Schrauberwerkstatt, die darauf spezialisiert ist, Vergaser neu einzustellen !!!</font></span></p>
<p><span><font face="Arial">(Huch – gerade wird’s mit einem Schlag dunkel und die Musik ist aus, Totenstille … nur mein Laptop leuchtet noch durch die Nacht … hatte ganz vergessen, dass Stromausfall hier zur Tagesordnung gehört.)</font></span></p>
<p><span><font face="Arial">Ansonsten ist hier die Luft und die Welt noch in Ordnung. Wieder ertönt das Schakal-Gejaul-Konzert … pünktlich einmal am frühen Abend kurz nach Einbruch der Dunkelheit und einmal nachts. Für persische Verhältnisse sind die Schakale (außer dem Muezzin!) das Pünktlichste und Zuverlässigste, was mir hier begegnet. </font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Apropos Muezzin:</font></span><span><font face="Arial">Seit Montag ist für 30 Tage im Iran Ramasahn. Ich habe mich immer gefragt, wer denn bestimmt, wann die Sonne endgültig untergegangen ist und man über Speis und Trank herfallen darf. – Der Muezzin bestimmt es ! Er singt ja eh bei Sonnenuntergang sein drittes und letztes mal am Tag (die Araber singen fünf mal täglich) und diesen Gesang – der für den Hungernden und Dürstenden endlos dauert (ich weiß, wovon ich spreche!) – muss man abwarten. Wenn er endlich verstummt ist, geht’s los: Dann werden die Wasserflaschen an den Hals gesetzt, die Zigaretten angezündet, die Babys gefüttert, große Tablettes mit Tee durch den Basar getragen und überall gekaut. Durch einen schmalen Eingang, vor dem ein Riesenbottich mit persischem Eintopf (mit Nudeln!) steht, sehe ich ca. 30 Männer jeden Alters beim typischen OP-Licht an einer schmucklosen Tafel sitzen und eben jenen Eintopf aus Blechnäpfen verschlingen – eine Szenerie wie aus dem Knast. Also, wie ich mir Knast-Kantinen vorstelle….sagen wir mal eher „filmreif&#8220;.  </font></span><span><font face="Arial">Vor den Bäckereien stehen lange Schlangen an. Meine liebste Szenerie im Iran ist, wenn die Leute gerade vom (Brot-) Bäcker kommen: Wie Gabelstapler tragen sie auf den Unterarmen einen halben Meter hohen Stapel der großen länglichen dünnen Fladen vor sich her, so dass sie gerade noch oben drüber schauen können – ein herrlicher Anblick! </font></span></p>
<p><span><font face="Arial">Es gibt speziell zur Ramasahn-Zeit ein Schmalzgebäck, dass durch honigartigen Sirup gezogen wird und wie große gelbe Schneekristalle aussieht – extrem lecker ! Da tagsüber trotz des Ess-Verbots alles mögliche Essbare verkauft werden darf und einem die Düfte auch ordentlich um die Nase wehen, tut einem erstrecht der Magen weh vor lauter Appetit, der sich durch das Verbot sowieso immens steigert! </font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">In den eigenen vier Wänden bzw. bei Freunden und Familie macht der Perser natürlich auch an Ramasahn, was er will – also tagsüber essen und trinken. Sobald man aber unterwegs ist, geht das nicht mehr. Ebenso, wie ich hier Kopf und Körper bedecken muss, obwohl ich Touristin bin, darf auch ich jetzt in der Öffentlichkeit nichts zu mir nehmen, auch nicht Kaugummi kauen etc. Blöd, wenn man lange draußen unterwegs ist. Ohne Essen ist ok, obwohl ne Walnuss zwischendurch schon ganz nett wäre. Aber ohne Wasser ist bei der staubtrockenen Luft Teherans der Hammer! Im Nu habe ich wieder Halsschmerzen! Wie geht es da erst alten Menschen und Kindern ??? Wann der Ramasahn im Jahr stattfindet, berechnet sich nach dem arabischen Kalender, der sich vom persischen Kalender aber unterscheidet. Das Datum rückt jedes Jahr um 10 Tage „zurück&#8220;, so dass er in 30 Jahren wieder am gleichen Datum wie jetzt stattfinden wird (damit man die Rechnung nachvollziehen kann, muß man die Besonderheiten beider Kalender kennen – ist kompliziert … ich hatte das im Farsi-Unterricht und habs nicht ganz verstanden!). So werden die Ramasahne der nächsten Jahre immer mehr in den heißen Sommer fallen – unvorstellbar, wie die Leute das aushalten!</font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Das Fasten-Brechen heißt Eftar und vor dem ersten Bissen murmeln die Gläubigen einen bestimmten Spruch aus dem Koran, jeden Tag einen anderen. Zu dieser Zeit sind die Straßen wie leergefegt, denn nun ist jeder gute Gläubige brav zu Hause und isst endlich was. Wer jetzt auf der Straße rumlungert, outet sich als Nicht-Gläubiger, denn dann hat er wohl schon tagsüber gegessen! So unterscheidet man das hier.</font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Inzwischen sieht man übrigens sehr viel Jungvolk auf den Straßen: Seit einer Woche sind die Schulferien vorbei, sie dauern 3 Monate, weil der persische Sommer einfach zu heiß ist. Die Kinder kommen mit 7 Jahren in die Schule &#8211; eine Vorschule gibt es aber auch irgendwie. Bis zum Abitur sind es 12 Schuljahre, so dass sie auch erst mit 19 da rauskommen. Ein Studium dauert im Schnitt 3-4 Jahre, Medizin 7 Jahre. Ohne Abitur und Studium wird man im Iran nichts besonderes, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Arbeitnehmer haben pro Jahr 20 Tage Urlaub bei einer 6-Tage-Arbeitswoche.</font></span><span><font face="Arial"> </font></span><span> </span><span></span><span><font face="Arial">Da ich schon bei Zahlen bin: Ich erfahre, dass es im Iran jährlich 30.000 Verkehrstote gibt! Die meisten davon Mopedfahrer (= Motorradfahrer) und ziemlich jung. Das wundert mich nicht. Mopedfahrer tragen prinzipiell keine Schutzbekleidung und nur im verkehrspolizei-intensiveren innersten Stadtkern Teherans vielleicht mal einen Helm. In anderen Städten und auf dem Land habe ich keinen Helm gesehen. Dafür sind sie oft zu dritt, manchmal zu viert auf einem Moped unterwegs! Nicht selten mit kleinen Kindern. Bei dem irren Verkehr! Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen – Inshallah! Man kann sich nicht vorstellen, wie hier einfach alle drauflosfahren. Kreisverkehr ist besonders lustig – aus zwei Spuren machen sie einfach fünf, quetschen sich alle nebeneinander, ineinander und wenn der von ganz innen nach ganz aussen will schafft er das auch mit beharrlichem Durchschieben seines Blechkastens durch die hupenden Reihen. Wer den Kreis ¾ umfahren müsste, spart sich die Mühsal und fährt das eine Viertel einfach gegen den Strich! Auch gegen den fünfspurigen Strich! Wie oft einem hier Autos und Mopeds in falscher Richtung entgegenkommen… auch in Einbahnstrassen! Und auf dem Standstreifen der Autobahn! </font></span><span><font face="Arial">Die Hupe ist generell wichtiger als die Bremse. Mut auch. Ampeln sind sehr selten. Überholt wird rechts wie links und so knapp, dass man um seine Aussenspiegel bangt. Und dazwischen werfen sich noch die Fußgänger ! Nun fahre ich ja immer im Jeep und der ist erhöht – wie muss das feeling in einem normalen PKW sein, wo man noch nichtmal einen Überblick hat ?! Und dann die vielen Schrottkarossen …(für 10 Euro kann man den jährlichen TÜV schmieren) Und die großen Tankwagen, die auf Überlandstrecken in uneinsehbaren Kurvenstrecken durch die Berge oder in Tunnels übelste Überholmanöver durchführen …. Inshallah !!!!! </font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Ich habe bisher dreimal mit der Digitalkamera kleine Autofahrten durch Teheran gefilmt. Für euch zuhause. Ich hab sie alle wieder gelöscht. Denn ich sah vor dem geistigen Auge schon, wie euch vom zugucken schlecht wird und ihr ruft „Um Gottes Willen, mach das aus!&#8220;. Vielleicht versuch ich’s noch einmal und verkauf den Film an das 3-D-Kino im Phantasialand <img src='http://s.wordpress.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Künftigen Iran-Reisenden sei auch gesagt: Das Daumen-hoch-Zeichen spart man sich in diesem Land besser. Es bedeutet soviel wie „Der ist für deine Mutter!&#8220; Besser ist das Ring-Zeichen mit Daumen und Zeigefinger. Allerdings muss das flach sein. Wenn es zu rund ausfällt, gibt’s auch Ärger …</font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Gestern bekam ich von babas Freund und Arzt eine Exklusiv-Führung durch eine Privatklinik, in der er (trotz 76 Jahren immer noch!) tagsüber arbeitet, bevor er – wie die anderen Ärzte auch – in seine Privatpraxis geht und dort weiterarbeitet. Denn vom Klinikgehalt alleine kann man nicht leben. Zahlen weiß ich nicht, aber dass sie in ihren eigenen Praxen das 7 bis 10fache verdienen… Mir gehen ganz schön die Augen über beim Anblick der Einzelzimmer sowie des Ärzte-Aufenthaltsraumes … 5 Sterne Kategorie !!! Und überall Sicherheitsleute! Unglaublich viele! Mehr als Krankenschwestern. Diese tragen übrigens giftgrüne Roben und darüber diese Nonnenkutten in weiß. Administratives Personal trät dasselbe in grau und schwarz. Ich lasse mir alles zeigen, OP-Räume, Intensiv-Station, Frühchen-Station, Kardio-Bereich, CT, Ultraschall, Notaufnahme …. und werde immer wieder Ärzten vorgestellt, die mich neugierig mustern. Ich versuche, so diskret wie irgend möglich alles zu fotografieren. Siemens-Geräte sind allgegenwärtig. Mir fällt auf, dass nirgendwo Hektik herrscht. Alles ist gemächlich und friedlich. Vielleicht ist das aber typisch für Privatkliniken? Sie haben aber auch Verträge mit ein paar Krankenversicherungen. Ansonsten zahlt man cash on the nail – vor der Behandlung. Ich frage nach Zahlen. Es gibt 815 Mann Personal. Bei 150 Betten. Ja und wieviel davon sind Ärzte? Von den 815 ? Keiner! Die Ärzte zählen extra: Es sind 100! </font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Ich höre immer wieder von Iranern, dass die Ärzte zwar ganz hervorragend wären, sich aber überhaupt keine Zeit für Patienten nehmen, weil sie pro Patient bezahlt werden. Man sagt also dem Arzt, was einem fehlt und erhält ohne Untersuchung ein Medikament bzw. ein Rezept, von dem man ca. 10-15% Anteil in der Apotheke zu zahlen hat. Viele behaupten, ihre Angehörigen könnten noch leben, wenn sich der Arzt den Patienten mal angeschaut hätte. Wer einen Arzt kennt, also Beziehungen hat, ist wie immer etwas besser dran – so funktioniert hier eh alles. Wie überall eigentlich, nur etwas ausschliesslicher.</font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Es gäbe noch so viel zu erzählen … von Schwimmbädern die morgens für Frauen und nachmittags für Männer geöffnet sind, von den obligatorischen Gummi-Schlappen auf privaten persischen Toiletten, von der Metro, die extra Frauen-Abteile und gemischte Abteile hat, von der typischsten Handbewegung iranischer Frauen (nämlich das verrutschende Kopftuch in die Stirn zu ziehen… zigmal am Tag!), von den Grundschulen die vormittags und nachmittags unterrichten müssen, wenn sie nicht genügend Räumlichkeiten für alle Kinder haben, von den unbeleuchteten Baustellen aufgerissener Strassen, die nachts plötzlich vor einem auftauchen und die ganze Szenerie in Motocross verwandeln (einmal gab es um 2 h nachts einen großen Stau, weil im stockdunkelen ein Wagen über einen Schutthaufen getragen werden musste!), etc.</font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Vielleicht ist das Land so abwechselungsreich, weil Organisation keine Rolle spielt? Wenn man bei uns in eine andere Stadt fahren will, nimmt man sein (funktionierendes) Auto, eine Karte und einen Stadtplan. Dann kommt man an und hat sich vielleicht unterwegs mit dem Partner gestritten, wie es am kürzesten gewesen wäre. Wie langweilig. Hier weiß man nichtmal, ob das Auto mitmacht, ob man unterwegs plattgefahren wird, ob der wichtigste fünfspurige Zubringer aus unbekannten Gründen überraschend gesperrt ist und man deshalb durch etliche Vorstädte zockeln muss, ob und wie man in die Stadt hineinkommt und wieviele Menschen man fragen muss, um endlich die Straße zu finden, die man angepeilt hat. Ja, man hätte sich das vorher am Telefon erklären lassen können, aber die wissen es ja auch nicht so genau… Ich verstehe, warum sich hier niemand um eine genaue Uhrzeit verabreden KANN – man weiß ja nie, inshallah <img src='http://s.wordpress.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </font></span><span><font face="Arial"> </font></span></p>
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		<title>Leben in Teheran &#8230;</title>
		<link>http://tinenatali.wordpress.com/2006/09/28/leben-in-teheran/</link>
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		<pubDate>Thu, 28 Sep 2006 11:45:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>tinenatali</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[
Nach der Iran-Rundfahrt und der Geburtstagsfeier brauche ich erstmal Urlaub … Natürlich sind wir jeweils abends eingeladen, aber tagsüber genieße ich das kopftuch- und mantelfreie Sitzen im Teheraner Vorgarten mit Lesen und Schreiben und gehe nur für kleinere Vorhaben raus, wie Besuch im Teheraner Basar in der alten Innenstadt oder Palast-Museum von Vater Schah angucken. [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=tinenatali.wordpress.com&blog=384513&post=29&subd=tinenatali&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;"></p>
<p style="margin:0;" class="MsoNormal">Nach der Iran-Rundfahrt und der Geburtstagsfeier brauche ich erstmal Urlaub … Natürlich sind wir jeweils abends eingeladen, aber tagsüber genieße ich das kopftuch- und mantelfreie Sitzen im Teheraner Vorgarten mit Lesen und Schreiben und gehe nur für kleinere Vorhaben raus, wie Besuch im Teheraner Basar in der alten Innenstadt oder Palast-Museum von Vater Schah angucken. Es ist nicht mehr so heiß, aber immer noch ist ein Unterhemd unterm Mantel fast zuviel !</p>
<p> </p>
<p style="margin:0;" class="MsoNormal">Dass ich nicht mehr jeden Tag in einer anderen Stadt bin, schärft die Sinne auch wieder für die kleinen Dinge um einen herum.</p>
<p style="margin:0;" class="MsoNormal">Mehrmals täglich hört man die Alarmanlagen von Autos, die sich wie von Eltern verhasstes Kinder-Spielzeug-Gedudel anhören – so übertrieben klingen die lächerlich häufigen Wechsel der Ton- und Rhythmusfolgen!!! Habe ich erwähnt, dass die Polizei im Iran brav Mercedes fährt?! Und dass die meissten Taxis weiß-grün sind und somit immer erstmal an Polizei erinnern … außer, dass Taxis niemals Mercedesse sind!</p>
<p style="margin:0;" class="MsoNormal">Habe ich von den Leuten auf den Straßen geschrieben? Dass man – logo &#8211; keine Bierbäuche sieht und eh die meissten Männer eher schmal sind ??!!! Dass Frauen oft Hand in Hand gehen? Dass Männer sich viel mehr anfassen als bei uns? Dass Paare sich in der Öffentlichkeit quasi nie berühren? Dass einige weiße Handschuhe tragen – manche aus Religiosität, manche aus hygienischen Gründen? Dass ich ganz selten mal jemanden mit einer Staubmaske über Mund und Nase sehen? Dass so ziemlich alle Frauen, die nicht Tschador tragen Jeans anhaben deren Hosenbeine weit umgeschlagen sind, wie bei uns, dazu Sneakers und natürlich die riesigen Sonnenbrillen, die gerade en vogue sind ?! (Einige ziehen auch noch Schirmmützen aufs Kopftuch…) Dass manche unterm Mantel ebenfalls bauchfrei tragen und Bauchnabel-gepierct sind? Dass man kein Militär, sondern nur ein paar Verkehrspolizisten in weißer Uniform mit schräger blauer Schärpe sieht? Dass die „Wächter“ in zivil rumlaufen, man also niemals weiß, ob man gerade beobachtet wird ?! (Ein sehr unangenehmes Gefühl – ich kriege das erst mit, als ich den Innenhof des Teheraner Basars inkl. Moschee fotografieren will, ein Verbots-Schild sehe und zu baba sage „Ist ja eh kein Polizist hier“ …da erst macht er mich auf die unsichtbaren Wächter aufmerksam!)</p>
<p> </p>
<p style="margin:0;" class="MsoNormal">Und hab ich erzählt, dass auf der Straße quasi niemand raucht, dafür jeder zweite handy-telefoniert und die ganz wichtigen Jungs mit dem Bluetooth-Teil am Ohr rumrennen, auch wenn sie gar nicht telefonieren? </p>
<p> </p>
<p style="margin:0;" class="MsoNormal">Auch schön zu beobachten ist der Hype um die Serie „Nargess“: Jeden abend um 22.30 h klebt die Nation (Männer wie Frauen, jung wie alt!) an der Glotze (die eh immer und überall läuft) und ist für eine Stunde (mit Werbeunterbrechungen – die Werbung ist auch nicht besser als bei uns) völlig absorbiert von dem Schicksal einer jungen Frau „Nargess“ und ihrer Familie. Es ist immer tragisch bis dramatisch, die Musik dito, gelacht wird nie, dafür gibt’s viele ernsthafte Gespräche und Telefonate und immer ein besorgtes Gesicht eines Familienmitgliedes im Hintergrund – einfach köstlich! Sie sprechen dankenswerterweise so langsam und ohne Akzent, dass ich sogar einiges davon verstehe. Nach der Hälfte des Drehs starb zufällig die Hauptdarstellerin (Verkehrsunfall glaube ich – das muss hier eh die häufigste Todesursache sein, wenn man sich den Verkehr anschaut!!!). Sie wurde ersetzt durch eine hübschere, wie ich finde, und den Nargess-Hype hat dieses echte Drama eher noch beflügelt.</p>
<p style="margin:0;" class="MsoNormal">Mein Eindruck ist eh, dass die Perser sehr auf Dramatik stehen. Auch wenn die wenigen Nicht-Nargess-Gucker die Köpfe schütteln – sie haben ab 22.30 h keine Gesprächspartner mehr! Man kommt hier nicht dran vorbei, denn ALLE hocken gebannt vor der Glotze, im Restaurant wie in der Familie – so sehr man auch sonst um Gäste bemüht ist und alle 15 Minuten etwas anderes zu essen/ trinken anbietet … Nargess beschert eine Stunde „Karnickel-Starre“!</p>
<p style="margin:0;" class="MsoNormal">Zu allem Überfluss erfahre ich auch noch, dass der Regisseur dieser Star-Serie ein Mitglied meiner Familie ist! Mit dem allerdings niemand Kontakt hat! Kein Wunder – wer so erfolgreiche Serien produziert, muss das sehr regimegetreu tun …</p>
<p> </p>
<p style="margin:0;" class="MsoNormal">Mit den Widersprüchen im Lande muss man erstmal klarkommen. Ich habe mich inzwischen daran gewöhnt, WMF-Geschäfte zu sehen, einen Tchibo-Laden sogar (!), eine riesige Leuchtreklame auf einem Teheraner Hochhaus von Villeroy &amp; Boch (übrigens besteht Teheran ca. zu 50 % aus Hochhäusern) … als ich aber in einer Konditorei eine Torte mit Halloween-Kürbis-Fratze sehe, raffe ich nicht mehr, was die hier eigentlich wollen und was sie verteufeln … wie denn nu ????</p>
<p style="margin:0;" class="MsoNormal">Finde auch schwer zu begreifen, dass Frauen in der Öffentlichkeit unbedingt den Allerwertesten bedeckt halten müssen, während sämtliche Klamotten-Läden auf dem Gehsteig vor ihrem Geschäft die Hosen an wohlgeformten Schaufensterpuppen-Unterteilen (= die Dame ohne Oberleib), ausstellen! Und: Wenn man an einer Uni vorbeifährt (auf dem Gelände ist Tschador Pflicht!), sieht man die herauseilenden Mädels sich sofort das schwarze Zeug vom Körper reißen und das schicke Darunter zum Vorschein kommen. Diese Abscheu ist so deutlich und so öffentlich, dass es mich wundert (und freut), dass hier niemand eingreift.</p>
<p style="margin:0;" class="MsoNormal">Doch insgesamt ist die Stimmung so, dass man Angst hat, gegen die Regime-Regeln zu verstoßen. Die sind ja hier nicht zimperlich. Der Sohn einer Freundin ist Journalist und war verantwortlicher Redakteur einer Zeitung in Teheran. Vor 3 Jahren (da war er Mitte Zwanzig) hat man ihn wegen einer Karikatur festgenommen und für 2 Monate in den Knast gesteckt, Einzelhaft, 6 qm große Zelle mit nix drin. Er sagte mir, da lernt man viel über sich selbst… Nach 13 Tagen hat man ihm einen Koran in die Zelle geworfen. Da er arabisch kann, hat er den dann auch dreimal durchgelesen – wenn man sonst nix zu tun hat… Was ihm da sonst noch passiert ist, erzählt er nicht.</p>
<p style="margin:0;" class="MsoNormal">Seine Mutter arbeitet in einem radiologischen Institut, das seit einem Jahr Schwierigkeiten mit dem Regime hat. Welche, weiß ich nicht. Jedenfalls hat das Regime verfügt, dass sie nur noch 3-4 Patienten täglich haben dürfen, bis die „Schwierigkeiten“ geklärt sind. Das hat dazu geführt, dass man die Hälfte des Personals woanders unterbringen oder aber kündigen musste. Sie konnte bleiben, arbeitet aber ca. nur 6 Stunden am Tag. Das heisst, so lange ist sie dort anwesend. Bei drei Patienten ist nicht viel zu tun…Sie lebt mit ihrem Sohn zusammen, weil sie sich nicht zwei Wohnungen leisten können. </p>
<p> </p>
<p style="margin:0;" class="MsoNormal">Während meines Aufenthalts im Iran bekomme ich mit, wie immer mehr Internet-Cafes schließen – an mangelndem Interesse der Nutzer liegt es jedenfalls nicht&#8230;</p>
<p style="margin:0;" class="MsoNormal">Innerhalb der paar Wochen haben Freunde schon zweimal schriftliche Aufforderungen im Briefkasten gehabt, dass sie ihre Satellitenschüsseln entfernen sollen.</p>
<p style="margin:0;" class="MsoNormal">Wenn ich so zusammenrechne, sind sehr viele Kinder von babas Freunden nach dem Studium ins Ausland gegangen, die allermeissten nach Kanada, sonst USA, England, Deutschland. Eine Cousine hat gerade alles in die Wege geleitet um in nem halben Jahr nach Kanada zu ziehen, wo ihre Schwester schon längst ist. Das ist noch mal eine andere Zielgruppe, die hier aufgibt: Meine Cousine ist so alt wie ich, Architektin, ihr Mann Mitte Vierzig, Arzt, ihr Kind 13. Alle drei büffeln für den Toefl-Test, sprechen aber auch schon gutes Englisch. Der Mann meiner Cousine ist bereit, in Kanada jahrelange Zusatz-Studien auf sich zu nehmen, um als egal-was-für-ein-Arzt zu arbeiten und seinen guten Ruf und Stellung hier als Onkologe aufzugeben. Er sagt, er hält es mit den Leuten, den Heucheleien hier nicht mehr aus. Das sagen einige – und die gehen aber auch entweder gerade weg oder sind schon weg und kommen nur noch zu Besuch hierher.</p>
<p> </p>
<p style="margin:0;" class="MsoNormal">Die anderen sagen, hier müsse man zwei Gesichter haben, auch die Kinder, die man in der Schule schon längst auszuhorchen versucht, ob es zu Hause auch religiös zugeht, ob sie Sendungen kennen, die auf Satellitenschüsseln schließen lassen etc.. Die Leute, die hier leben und bleiben sagen fast alle „wir haben Angst vor dem Regime, das wir ablehnen“ und „was sollen wir tun, da kann man nichts machen“ und zucken die Schultern. Sie warten auf den Retter, der sie erlöst (das ist sehr weltlich gemeint, nicht religiös) oder auf den richtigen Zeitpunkt, zu dem dann alle auf die Straße gehen und sich auflehnen würden. Mein Info ist, dass mindestens 70% der Bevölkerung ihr Staatsoberhaupt ablehnen. Aber hier ist einfach zuviel &#8222;Inshallah&#8220; in den Köpfen. </p>
<p style="margin:0;" class="MsoNormal">Wenn ich nun aufgrund dieses weblogs einkassiert werde, geht bitte für mich auf die Straße, ja <img src='http://s.wordpress.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
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<p></span></p>
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		<title>Geburtstagsfeier auf persisch</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Sep 2006 11:19:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>tinenatali</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Jetzt, da wir wieder in Teheran zurück sind, weiß ich schon eher wie der Hase läut: Ich sitze im T-Shirt, ¾-Hosen und ohne Kopftuch draußen im Garten des Teheraner Hauses in der Sonne! Nachbar-Mädels sind auch hier, sogar knapper bekleidet als ich, und quatschen über Jungs. 
Man hört die üblichen Geräusche der Bauarbeiter irgendwo nebenan [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=tinenatali.wordpress.com&blog=384513&post=28&subd=tinenatali&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><span><font face="Arial">Jetzt, da wir wieder in Teheran zurück sind, weiß ich schon eher wie der Hase läut: Ich sitze im T-Shirt, ¾-Hosen und ohne Kopftuch draußen im Garten des Teheraner Hauses in der Sonne! Nachbar-Mädels sind auch hier, sogar knapper bekleidet als ich, und quatschen über Jungs. </font></span></p>
<p style="margin:0;" class="MsoNormal"><span><font face="Arial">Man hört die üblichen Geräusche der Bauarbeiter irgendwo nebenan … allerdings ist hier Sonntag! Die Iraner haben eine 6-Tage-Woche mit ca. 10 Stunden Arbeitszeit pro Tag und 20 Tagen Urlaub im Jahr. Von Familie und anderen höre ich immer wieder, dass sie ja gerne englisch, deutsch oder was-auch-immer nebenbei lernen würden, allerdings sind sie platt, wenn sie nach 12 Stunden wieder zu Hause ankommen und am einzigen freien Tag ist doch eher Familie angesagt als Lernen!</font></span></p>
<p><span></span></p>
<p style="margin:0;" class="MsoNormal"><span><font face="Arial">Gestern, als wir in Teheran ankamen, hatten wir nur eben Zeit, Reisestaub abzuwaschen und uns schön zu machen – und dann ab zur Geburtstagsfeier! Ein Cousin hat einen &#8222;Garten&#8220; ausfindig gemacht, in den die Familie reinpasst – man kann sich das kaum vorstellen: Von einer ganz normalen hässlichen Teheraner Schnellstrasse biegt man ab, berghoch, fährt plötzlich durch ein bunt leuchtendes Tor durch und dann mit 5 km/h eeeeewig durch eine bunte, glitzernde Amüsiermeile, durch die Deutsche niemals mit dem Auto fahren würden, hier allerdings tut man es zweispurig – ein Blechkarawanen-Gedränge den Berg hoch, den Berg hinunter!!! Daneben die herrlichsten Auslagen, Fresschen, Naschkram, alles irre bunt und lecker anzuschauen – wenn es nicht alles penetrant auf Auspuff-Höhe angerichtet wäre !!! </font></span></p>
<p><span><font face="Arial">So schieben wir uns den Berg hoch und ich sehe Zuckerwatte, die an hohen Holzverästelungen ausgestellt wird und irgendwie malerisch-gespenstisch wirkt. Hier tobt das Leben. Es erinnert an die Flaniermeile von Renesse (NL) zu Stosszeiten, falls das jemand kennt!</font></span><span><font face="Arial">Und nichts sieht hier nach Garten aus !!!</font></span></p>
<p style="margin:0;" class="MsoNormal"><span><font face="Arial">Wir halten vor einem kleinen Imbiss-Irgendwas. Hm. Gehen rein. Hm. Hier entlang. Hm. Und dann führt eine Treppe hinunter in einen mit Springbrunnen und tierisch hohen Bäumen bestückten Garten mit sehr großen „tachten&#8220;, also mit Teppichen ausgelegten erhöhten Essplätzen, vor denen man die Schuhe auszieht, was immer wieder sehr fotogene Schuh-Stillleben zur Folge hat! Ungefähr 8 „tachte&#8220; sind für uns reserviert! Und tatsächlich kommen von der Familie 80 Leute!!! Bis sich alle gegenseitig begrüßt haben, ist der Abend rum – aber das ist auch irgendwie Sinn der Sache <img src='http://s.wordpress.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </font></span></p>
<p><span><font face="Arial">Man quatscht und lacht und dann kommen wieder welche und alle rappeln sich aus ihrem Schneidersitz auf und drücken und küssen und ziehen sich die runtergerutschten Kopftücher wieder auf den Kopf … es ist herrlich! Wie bei uns auch, setzten sich die Stilleren automatisch hier zusammen, die Lebhafteren dort, die Kinder und Jugendlichen verteilen sich komplett, tragen einander durch die Gegend und knutschen sich herzhaft. Das ulkige ist, dass sie das in jedem Alter beibehalten! Wenn unsereins als Teene irgendwann genant oder cool wird, bleiben sie so herzlich und knutschig wie die Kleinen. Die Jungs unseres Gastgebers in Esfahan waren beide Mitte/ Ende 20, aber ihre Liebe zueinander drückt sich deutlich aus – wir hätten zu Hause kein Erklärungsmuster dafür zur Hand. Oder was würdet ihr denken, wenn der eine Bruder im vorbeigehen dem andern einen Zopf aus dessen Mähne dreht und in auf die Stirn küsst?! Ich sehe das immer wieder hier, auch zwischen den Generationen! Und kein Kind dreht sich von einer „Tante&#8220; weg und will nicht geherzt werden – änäää! Mir hängen sie auch ganz ordentlich am Hals! Ist aber schön! Ich gehöre eindeutig zur Familie! Nein, keine Sorge – ich mach das nicht mit euch, wenn ich nach Hause komme … also, nicht mehr als vorher auch schon <img src='http://s.wordpress.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' />  </font></span><span><font face="Arial">Aber hier ist das so normal wie echt und ich fühle mich sehr wohl!</font></span></p>
<p style="margin:0;" class="MsoNormal"><span><font face="Arial">Nur als nach dem Obst und dem Essen und dem Tee sich alle an einem Fleck versammeln, zig Geschenke und eine riesige Geburtstagstorte vor mich hinstellen, die Kerzen darauf anstecken und „tawalod, tawalod&#8220; singen und klatschen und trällern – da darf man echt nicht schüchtern sein! Ich wage nicht mir vorzustellen, was abginge, wenn das Regime nicht tanzen, singen und musizieren in der Öffentlichkeit (und eigentlich überhaupt!) verboten hätte!!!!!!</font></span></p>
<p><span></span> <span><font face="Arial">Zu ihrer Begeisterung schaffe ich alle Kerzen auf einen Streich auszupusten (42 waren’s nicht!), frage &#8211; um meine Verlegenheit zu verstecken &#8211; laut in die Runde, ob sie etwa immer noch nicht satt sind, worauf ich ein fast 80faches „Naaaaaaa!&#8220; ernte, bevor ich mit einem gefährlich großen Messer das Schokoladenkuchen-Monster anschneide. Es soll der beste Schokoladen-Kuchen Teherans sein und alle sind ganz heiß darauf. Man lässt mich nicht allein, insgesamt habe ich 4 Helferinnen: Zwei schneiden und verteilen den Kuchen weiter, nachdem ich die ersten Stücke symbolisch für die Ältesten aufgetan habe, zwei andere helfen mir, den Wust an Geschenken von Einwickelmasse zu befreien und souflieren, von wem was ist und zeigen mehr oder minder diskret auf das entsprechende strahlende Gesicht.</font></span></p>
<p style="margin:0;" class="MsoNormal"><span><font face="Arial">Kommt mir vor wie bei einer Hochzeit, doch fehlt mir der andere, mit dem man sich das Auspacken und Bedanken teilen kann…. Für einen alleine ist das heftig! Diese Größenordnung ist allerdings auch eine Ausnahme – ich bin für sie wie ein Schaaf der Familie, von dem niemand etwas wusste und plötzlich taucht es auf und ist mit allen Brandzeichen versehen, die die Herde ausmacht! Mit diesen Dimensionen drücken sie ihre Freude darüber aus!</font></span></p>
<p><span></span> <span><font face="Arial">Vom Schokoladen-Geburtstagskuchen bleibt kein Faz übrig, auch für mich nicht, doch das ist egal – die anderen sind gut versorgt, mampfen und lachen. (Ein paar Tage später besorgen sie den Kuchen nochmal in klein für mich, weil sie mitkriegten, dass ich ihn nicht probieren konnte!) Manche Geschenke werde ich bei baba lassen – aus Gründen des Übergepäcks&#8230; Einige Geschenke sind allerdings wie maßgeschneidert für mich und müssen unbedingt in den Koffer!</font></span></p>
<p style="margin:0;" class="MsoNormal"><span><font face="Arial">(Da ich die ganze Zeit mitten im Getümmel war, gibt es kein einziges Foto für den weblog! Andere haben allerdings gefilmt und vielleicht kann ich noch ein Bild nachreichen.)</font></span></p>
<p><span></span> <span><font face="Arial">Obwohl der „Garten&#8220; wie die meissten Restaurants um halb elf zu macht, tolerieren sie, dass unsere Party doch bis Mitternacht geht…Wie lange es dauert, bis die Familie sich untereinander voneinander verabschiedet hat, können sich Tine-Kenner sicherlich vorstellen… ;-) So ziemlich jeder will, dass ich vor meiner Abreise bei ihm zu Hause aber auch mal Gast bin und ich verweise fröhlich auf baba, Meister der persischen Umgangsformen, der mal sehen soll, wie er das innerhalb der letzten Woche alles koordiniert kriegt ohne jemanden zu brüskieren. </font></span></p>
<p style="margin:0;" class="MsoNormal"><span><font face="Arial">Als wir uns mit rappelvollen Autos langsam zockelnd und stockend wegen des Verkehrs den Berg wieder hinunterquälen, und ich über die ganze Autokarawane gucke, wird mir plötzlich klar: Wir sind der Stau! Es ist ein einziger großer Familien-Stau <img src='http://s.wordpress.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </font></span></p>
<img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/categories/tinenatali.wordpress.com/28/" /> <img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/tags/tinenatali.wordpress.com/28/" /> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gocomments/tinenatali.wordpress.com/28/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/comments/tinenatali.wordpress.com/28/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godelicious/tinenatali.wordpress.com/28/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/delicious/tinenatali.wordpress.com/28/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/gostumble/tinenatali.wordpress.com/28/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/stumble/tinenatali.wordpress.com/28/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/godigg/tinenatali.wordpress.com/28/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/digg/tinenatali.wordpress.com/28/" /></a> <a rel="nofollow" href="http://feeds.wordpress.com/1.0/goreddit/tinenatali.wordpress.com/28/"><img alt="" border="0" src="http://feeds.wordpress.com/1.0/reddit/tinenatali.wordpress.com/28/" /></a> <img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=tinenatali.wordpress.com&blog=384513&post=28&subd=tinenatali&ref=&feed=1" /></div>]]></content:encoded>
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		<title>Esfahan, Teil 2</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Sep 2006 19:48:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>tinenatali</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Am nächsten Tag gibt es endlich etwas von Esfahan selber zu sehen. Mittelpunkt der Stadt ist ein riesiger rechteckiger Platz, an dessen Stirnseite eine entsprechend große Moschee zu besichtigen ist, an der Breitseite der Palast Ali Ghapu, in der Mitte des Platzes schön gestutztes Grün und Blumen, an dessen Aussenrand eine breite ebene Fläche ausschliesslich für [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=tinenatali.wordpress.com&blog=384513&post=27&subd=tinenatali&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><span><font face="Arial">Am nächsten Tag gibt es endlich etwas von Esfahan selber zu sehen. Mittelpunkt der Stadt ist ein riesiger rechteckiger Platz, an dessen Stirnseite eine entsprechend große Moschee zu besichtigen ist, an der Breitseite der Palast Ali Ghapu, in der Mitte des Platzes schön gestutztes Grün und Blumen, an dessen Aussenrand eine breite ebene Fläche ausschliesslich für die Pferdekutschen (Einspänner) da ist, die unaufhörlich Touristen um den sehr weitläufigen Platz kutschieren und die ganze Szenerie in ein dafür typisch gewordenes Glöckchenbimmeln tauchen – die Glöckchen hängen an den Halftern. </font></span></p>
<p><span><font face="Arial">Ringsum wird der Platz von einstöckigen Arkadengängen eingeschlossen, in denen der Basar ist und in jeder Arkadenöffnung zum Platz hin befinden sich ebenfalls Läden. Hier kann man Stunden zubringen und wir tun das auch. Warum der Platz so riesig ist, warum die Arkaden rundherum? Das war füher mal ein Poloplatz! Wenn man sich das alles nun unter diesem Aspekt anschaut und ein bisschen Pferdegetrappel von den Kutschen hinzunimmt, ist man schwuppdiwupp mitten drin in so einer Szenerie, wo sie auf kleinen Poloponys mit schwingenden Schlägern hier entlang gejagt sind und die feinen Damen in den oberen Arkaden schattige Plätze einnahmen und sich vornehm Luft zufächelten! An einem Eingang des Basars gibt es einen versteckten Aufgang (mein Cousin kennt sich aus!) mit unglaublich hohen, engen Treppenstufen, die niemand auch nur annähernd würdevoll bewältigen kann …. jeder von uns zieht sich an dem rettenden Treppengeländer mühsam hoch wie ein Walroß!!! Wenn man diese Tortur hinter sich hat, wird man durch das einzige Cafe, das es hier weit und breit gibt, entschädigt (dank der Regierung, die wirklich alles schließen lässt, was schön ist und/ oder Spaß macht, denn feiern soll der Perser nicht! Inzwischen werden auch immer mehr Internetcafes geschlossen, weshalb meine Artikel so verzögert kommen … das sei an dieser Stelle mal gesagt!). </font></span><span><font face="Arial">Das Cafe hat tatsächlich auch ein paar Kissen nach draussen gelegt – für die sonnenhungrigen Touris sicherlich, die Perser bleiben drinnen im Schatten und rauchen Wasserpfeife. Zum Tee bekommt man einen ganzen Teller voll herrlichem süssen blätterteigartigem Schmalzgebackenem – köstlich! </font></span></p>
<p><span><font face="Arial">Wie ich Anti-Tee-Frau in diesem Lande klarkomme? Ich bestelle heißes Wasser oder Tee im Beutel, lasse letzteren einfach weg und kippe eine Nescafe-Milch-Zucker-Mischung in die Teekanne, die ich immer dabei habe – fertig ist mein Kaffee-Ersatz!</font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Von diesem Cafe aus hat man einen sagenhaften Blick über den Platz, zwei Moscheen und einen Palast. Das einzige, was das letzte Cafe am Platze nicht hat ist ein Klo. Man muss also diese unsägliche Treppe wieder runter und ganz bis zum Ende des Basars laufen, um dort eine öffentliche Toilette zu finden. Bei uns wird das zum geflügelten Wort für solche Bedürfnisse: „Ich geh mal zum Ende des Basars!&#8220;</font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Irgendwann müssen wir uns hier losreissen und machen uns auf in die Imam-Chomenei-Moschee (die früher natürlich mal Schah-Moschee hieß). Faszinierend ist, dass sie vier Bethallen hat – für jede Jahreszeit eine! Sie sind den jeweiligen Wetterlagen entsprechend platziert und bedarfsgerecht konstruiert. Soll heißen: Die Bethalle für den Sommer ist sehr hoch (36 Meter!), damit sich die heiße Luft nicht staut. Die Winter-Bethalle hat im Gegenteil eine ganz niedrige Decke, damit es schnell warm wird. Frühling- und Herbsthalle sind eher grünlich (die anderen wie immer blau) und ihre Decken entsprechen den Sonneneinfallswinkeln zu diesen Jahreszeiten. Frühlings- und Sommer-Bau liegen einander gegenüber. Am beeindruckendsten ist die Akkustik in der hohen Sommer-Bethalle: In deren Mitte gibt es eine besondere Steinfläche von ca. einem Quadratmeter. Wenn man dort mit dem Fuß auftritt, hallt es von der verschachtelten halboffenen Decke vielfach laut wieder. Mein Cousin macht sich einen Spaß draus und lässt dort kurz überm Boden einen Geldschein knallen, in dem er ihn schnell auseinanderzieht. Hört sich an wie Peitschenhiebe! </font></span><span><font face="Arial">Ein anderer Besucher macht uns vor, wozu diese Fläche tatsächlich dient: Er stellt sich drauf, hält sich ein Ohr zu und singt wie ein echter Mullah! Wir kriegen Gänsehaut! Der Klang nimmt alles ein, kommt von überall zurück, legt sich über die Zuhörer wie ein Schleier. Er soll bloß nicht aufhören – das ist sooo schön !!!</font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Draussen vor der Moschee, hocken wir uns an den Rand und machen persische Brotzeit: Dünnes Fladenbrot, Walnüsse, Wasser. Ein kleines Mädchen versucht uns Pflaster (Hansaplast!) zu verkaufen. Wieso ausgerechnet vor einer Moschee? Wegen Knieverletzungen vom Beten?! Mein Cousin erklärt, dass Betteln im Iran verboten ist und die Pflaster daher ein Vorwand. Neben mich setzt sich eine Frau mit „Nonnenkutte&#8220;, wie ich es nenne – ein schwarzes Kopftuch, das aber rundherum geht und bis kurz unter die Brust reicht. Sie hat ein blondes (!) Baby im Arm, das rumquengelt. Die Frau nestelt an der Kutte rum. Ich denk noch „Sie wird doch wohl nicht …???&#8220; – Aber ja! Hier vor der Moschee unterm Schutz der Nonnenkutte stillt sie ihr Kind! Das Köpfchen verschwindet komplett unterm scharzen Vorhang. Nun ist also auch klar, wozu dieses Kleidungsstück dient &#8211; zugleich auch ein praktisches Sabber- und Spucktuch <img src='http://s.wordpress.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Wir ziehen weiter zum Ali Ghapu-Palast an der Breitseite des Platzes. Er entstand in der Dynastie der Safawiten vor etwa 500 Jahren und wurde von Schah Abbas I. begonnen, der die Fertigstellung allerdings nicht mehr erlebte, denn es dauerte 70 Jahre! Sein Sohn Abbas II. hat das Werk dann vollendet. Die Decken sind aus Holz, wie auch in Persepolis, weshalb jenes so gut brennen konnte&#8230; Gegenüber des Palastes, an der anderen Breitseite des Platzes steht eine Moschee ohne Minarette, deren Kuppel mehr beige als blau ist. Sie war dem Harem des Schah Abbas vorbehalten – die Damen konnten durch einen unterirdischen Gang vom Palast flugs zum Gebet eilen ohne gesehen zu werden. Einen eigenen Muezzin bekamen sie nicht, daher auch keine Minarette!</font></span></p>
<p><span><font face="Arial">Alle Treppen innerhalb des Palastes inkl. dem Gegentritt (heißt das so?) sind aus Mosaik-Kacheln in blau und gelb, die Stufen wie immer hier recht hoch und steil. Ein paar Stockwerke weiter oben gibt es eine wunderschöne Säulen-Terrasse (alles aus Holz!) mit noch schönerem Ausblick auf den Platz, die große Moschee, die Stadt Esfahan und die hohen Berge dahinter. An den Wänden sieht man hie und da Bilder von Mongolen. Man hat diese Art Malerei übernommen, nachdem die Mongolen in Persien eingefallen sind.</font></span></p>
<p><span><font face="Arial">Oben im Palast kommt man zum Herzstück das Ganzen: Dem Musikzimmer! Die Decke ein einziges Ineinandergeschachtel gotisch anmutender Bögen, Decke und Wände aus blau und rot gefärbtem Gips, aus dem man scherenschnittartig Umrisse von Vasen, Flaschen und Blumen ausgekratzt hat. Hinter jedem dieser Ausschnitte ist ein Hohlraum. Es muss der akkustische Vorläufer von Konzertsälen sein! Die Sonne bricht sich Bahn durch eine Reihe Gitterfenster. Diese Farben! In die unteren Reihen an den Wänden hat man Kerzen in die Hohlräume gestellt – ich kann mir im Leben nichts romantischeres vorstellen als diesen Anblick!!! Ich hoffe, dass ein Foto im weblog annährend eine Idee davon gibt! </font></span><span><font face="Arial">Es dauert lange, bis wir uns von diesem Musikzimmer losreissen können.</font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Als wir den Palast verlassen wollen gibt es noch etwas Unglaubliches zu entdecken.</font></span><span><font face="Arial">Der Vorraum des Palastes hat eine Besonderheit: Wenn man sich in eine der Ecken stellt, am besten mit dem Gesicht zur Wand und leise spricht, kann das jemand, der in der diagonal gegenüberliegenden Ecke ebenso an der Wand steht, sehr klar und deutlich hören …. aber niemand sonst in dem ca. 100 qm großen Raum ! Das ist völlig faszinierend und wird von uns sofort ausprobiert! Der Trick ist die besondere Architektur: Die vier Ecken der Decke haben eine seltsame Rundung, sind also gar keine richtigen Ecken – so funktioniert es! Zur Touristen-Bespaßung hat man das vor 500 Jahren natürlich nicht erfunden, sondern für die Wachen! Sie standen immer im Vorraum bereit, in alle Ecken verteilt und wenn jemand um Einlass bat, konnte man sich auf diesem Wege äußerst diskret und schnell verständigen, was man von dem Besucher zu halten hatte!</font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Da die Dämmerung hereinbricht, quälen wir uns doch noch mal die Treppen zu dem einzigen Cafe hoch, weil man von dort einen sagenhaften Sonnenuntergang über Berge, Esfahan und Moscheen hat. Als wir so schön draussen auf den dicken Kissen sitzen, kommt ein Kellner mit einer Art Minigrill raus auf die Terrasse und schenkt wie Weihrauch „Esfand&#8220; über die Gäste. Eine Mixtur aus zweierlei Kräutern, die auf glühende Holzkohle gestreut werden und sofort viel weißen Rauch entwickeln, der mich im Geruch an Winnetou erinnert …fragt mich nicht wieso, meine erste Assoziation mit diesem etwas beißendem Geruch waren halt Apachen! Während man so etwas über die Leute schwenkt, murmelt man auf arabisch so was wie „Allah ist groß&#8220; oder „ Allah soll euch beschützen&#8220;, um die Anwesenden vor bösen Blicken zu bewahren oder – falls schon geschehen – zu reinigen. Heutzutage. </font></span><span><font face="Arial">Früher wedelte man mit Esfand in den rappelvollen Teestuben, die kaum Fenster hatten und deren Gäste sich nur einmal die Woche wuschen, um die Luft zu reinigen. Heute ist es nur noch ein verbreiteter Aberglaube, eine fürsorgliche Geste für die Lieben, wie ich es auch schon zweimal in meiner Familie erlebt habe: bei meinem Cousin in Deutschland und bei meiner Tante am Abend meiner Ankunft in Teheran. </font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Bleibt mir noch zu erwähnen, dass ich mich schon seit Wochen wundere, immer wieder mal Frauen zu sehen, die sich an der Nase verletzt haben und &#8211; obwohl das doof aussieht &#8211; damit in der Öffentlichkeit rumrennen. Ehrlich gesagt habe ich bei der Ersten gedacht, ihr Männe habe sie geschlagen und diesen bösen angeguckt!</font></span><span><font face="Arial">In Esfahan klärt mich mein Cousin mit Tränen vor Lachen auf, dass die ganzen Mädels ihre persischen Nasen einer Schönheitsoperation unterzogen haben und äußerst stolz mit diesen Nasenpflastern 2 Jahre lang rumrennen, bis sie es abnehmen dürfen!!!!!</font></span><span><font face="Arial">(Nachtrag meiner Cousine beim weblogschreiben: Es gibt auch Mädels, die stolz mit einem Nasenpflaster rumlaufen, ohne je eine Operation gehabt zu haben!!!!!!)</font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Ich esse Safran-Eis und denke über die Merkwürdigkeiten dieses Landes nach.</font></span></p>
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		<title>Esfahan, Teil 1</title>
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		<pubDate>Sat, 23 Sep 2006 14:54:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>tinenatali</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Esfahan, die Erste
Der Zeitplan meines Vaters geht natürlich nicht auf (mich wundert über mein eigenes Zeitempfinden gar nichts mehr!!!). Das heißt, während es Mitternacht wird – und damit mein Geburtstag – sitzen wir immer noch im Auto und kurven auf der Peripherique von Esfahan rum. Meinen guten Orientierungssinn habe ich nicht von ihm geerbt – [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=tinenatali.wordpress.com&blog=384513&post=26&subd=tinenatali&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><span><font face="Arial">Esfahan, die Erste</font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Der Zeitplan meines Vaters geht natürlich nicht auf (mich wundert über mein eigenes Zeitempfinden gar nichts mehr!!!). Das heißt, während es Mitternacht wird – und damit mein Geburtstag – sitzen wir immer noch im Auto und kurven auf der Peripherique von Esfahan rum. Meinen guten Orientierungssinn habe ich nicht von ihm geerbt – mir ist schon sehr bald klar, dass wir wieder Richtung Shiraz fahren… Man kann iranischen Männern immerhin nicht vorwerfen, dass sie lieber sonstwohin gurken, anstatt Leute um Hilfe zu fragen. Im Gegenteil: Sie fragen dauernd jeden und – obwohl es den Anschein hat, dass die Beschreibung in Ordnung ist – nach 20 Metern den nächsten und den nächsten und den nächsten! Fairerweise muss ich erwähnen, dass meine Aerobic-Freundin und ich im Basar innerhalb von 5 Minuten von 10 Leuten in 4 verschiedene Richtungen geschickt wurden, als wir ein Cafe suchten! So kommen wir erst um 1 h im Hotel an. Diesmal habe ich baba vorher gezwungen, alles zu tun, damit wir vor Ort wirklich eine Behausung haben und sich so was wie in Shiraz nicht wiederholt. Also wartet tatsächlich ein 5-Sterne-Hotel auf uns, das er und seine Freunde gut kennen.</font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Ein fünf Sterne-Hotel, so so …. Das Zimmer ist winzig, das Fenster direkt an einer Mauer, das Bad halb so groß wie meins zu Hause (!) und die Dusche hängt genau überm Klo – man muss sich also breitbeinig übers Klo stellen, um duschen zu können, wobei alles andere im Bad ebenfalls nass wird … die Handtücher zum Beispiel! Ich bin zu müde, um mich an den papierdünnen Wänden zu den Nachbarn zu stören und schlafe ungratuliert ein. Wie sich später herausstellt, dachte mein Vater, nach deutscher Uhrzeit sei es ja noch nicht der 19.9. und tat deshalb nichts….</font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Den Vormittag meines Geburtstags verbingen wir mit familiären Themen – das ist nichts für den weblog. Dann ziehen wir in ein viel besseres Hotel um, das direkt am dem großen Fluß liegt, der sich durch Esfahan schlängelt und Rheinbreite hat. An den Ufern sind auschliesslich Parks mit vielen hohen Bäumen und Palmen, viele Leute sitzen da und picknicken, übernachten, pauken, spielen, was man halt so macht. Auf dem Fluß fahren Tretboote, die wie Riesen-Schwäne aussehen. Über den breiten Fluß führen wunderschöne Fußgängerbrücken: Sie sind sehr breit und rechts und links ziehen sich Arkaden über die ganze Länge mit kleinen Durchgängen und Fensterchen – ich könnte mich kaputtfotografieren, weil man alle paar Meter einen anderen Blick auf beide Seiten des Flusses hat und die Menschen in den Arkaden herrliche Motive sind. </font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Am Nachmittag finde ich mal wieder kein Internetcafe und möchte wenigstens draussen in der Sonne einen Kaffee trinken. Der Perser an sich versteckt sich aber vor der Sonne nach drinnen und trinkt Tee. Der Innenhof eines Nobelhotels scheint für meinen Wunsch wie geschaffen …. Aber auch hier herrscht Siesta bis 17 h! Alternativen zu finden scheint schwer zu sein. Baba fragt Leute, die ihm erklären, wo man draussen sitzen kann. Dann hält er ein Taxi an, um sich zu erkundigen. Ich zerre schnell meinen Fotoapparat heraus, denn so ein verrottetes Auto habe ich im Leben noch nicht gesehen! Schnell knipsen, bevor es wieder abfährt! …Ich hätte mich gar nicht so zu beeilen brauchen – denn baba hält mir die Tür dieses Wracks auf !!!!! Waaaaaasssss ?????!!!! Ist ihm unser Leben eigentlich gar nichts wert??? Da steige ich nicht ein, sage ich! Ist doch nur für ein paar Meter, sagt er und deutet die Strasse entlang. Man muss wissen, dass es im Iran Usus ist, auch für ein paar hundert Meter ein Taxi zu nehmen – das ist der öffentliche Nahverkehr! Aber warum zum Kuckuck müssen wir das schlimmste Taxi aller Zeiten nehmen? Oder ist das ein mildtätiger Gnadenakt, damit der Mann auf ein neues Auto sparen kann??!! Mit angespannten Pobacken versuche ich die Sitzfläche so wenig wie möglich zu berühren … Pilates könnte nicht effektiver sein! Die Anspannung, die meinen Körper beherrscht steht im krassen Widerspruch zu der Instabilität der Karosserie, die derart knarzt und sich beim Fahren in sich verschiebt , dass ich wirklich denke, wir landen mit der Sitzbank auf der Strasse, während der Rest des Autos von uns abfällt – so ein bisschen wie in Herbie-Filmen der 60er Jahre! Oder wie bei Dick &amp; Doof!  Auch verstehe ich nichts von Kupplungen, aber dass diese hier am Boden schleift hör sogar ich!!! Ich zähle die Meter. Oh Gott, warum hält dieses Auto nicht? Warum versucht es nun auch noch, um eine Ecke zu fahren??? Das geht nicht gut !!!!! Ich trau mich nicht, in der Fahrt die Tür aufzumachen, um ein Ende zu signalisieren, weil ich sicher bin, sie dann in der Hand zu haben! Ich rede auf meinen Vater ein. Wieso fahren wir überhaupt so weit? Durch tausend Gässchen? Immer weiter? Wieso endet hier die Stadt? Wieso wird’s hier so grün um uns herum ? Der betuppt uns doch, der Taxifahrer! Komm, versprich ihm ein neues Auto und lass und hier AUSSTEIGEN !!!!!!!!!!! Aber mein Vater ist ein schwacher Mann &#8211; vor allen Dingen kann er sich nicht durchsetzen. Auch das habe ich nicht von ihm geerbt… Der Taxifahrer setzt noch einen drauf und will uns im Grünen rumkutschieren – nun werde ich massiv. Wenn das hier voller netter Cafes ist (die ich nicht sehe), dann soll er uns beim schönsten rauslassen. Er tut das tatsächlich. Es gibt nämlich nur eins. Eher ein Platz für Junkies, völlig heruntergekommen! Dreckig. Ich will hier weg. Baba hat aber inzwischen meinen Cousin verständigt, hier raus zu kommen! Da dieser kein Handy hat, müssen wir hier wirklich auf ihn warten! Ich versuche mich zu setzen. Der Teppich auf dem „tacht“ ist inakzeptabel schmutzig. Es wird ein weiterer geholt und drüber gelegt. Er ist fast genauso schmutzig und hat so seltsame Löcher. Ich frage nach. Den Teppich haben sie aus dem Irak, die Löcher seien vom Krieg dort! Haha, wohl eher von verunglückten Wasserpfeifen…! Kaffee gibt es auch keinen.</font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Mein Cousin (aus Holland) und seine jüngste Tochter (gerade im Iran zu Besuch) kommen tatsächlich in diesem Niemandsland an und holen uns da raus. Ich freue mich sehr, die beiden zu sehen. Nun kann und muss ich viel holländisch reden, denn Melissa (16) spricht kein farsi, kein deutsch und nicht gut englisch. Die beiden wohnen für 2 Tage bei Freunden in Esfahan und ehe ich mich versehe sind wir in diese Sippe eingemeindet. Während ich noch ahnungslos in deren Büro rumsitze, mit Melissa im Internet surfe und dies für eine Stippvisite halte, werden die anderen heimlich über meinen Geburtstag aufgeklärt – und treffen Vorbereitungen…Meine Vorstellung war, dass wir meinen Geburtstag in der schönsten Stadt Irans feiern (und das ist Esfahan definitif, war lange die Hauptstadt!) und zwar in einem Restaurant mit Blick auf die Stadt, wenigstens zum Teil, so dass man eine Vorstellung hat, wo man ist. (Der erste Abend in Esfahan ist ja bereits babas Zeitplan zum Opfer gefallen) </font></span><span><font face="Arial">Das wird mir auch weiterhin in Aussicht gestellt, während hintenrum etwas ganz anderes läuft. Das ist auch sehr persisch! Es geht nicht darum, was ich gerne möchte an meinem Geburtstag, sondern was diejenigen, die sich gerade selber zum Gastgeber erkoren haben, schön finden. Der europäische Individualismus ist hier unbekannt bzw. wird nicht verstanden. Clash of cultures.</font></span></p>
<p><span><font face="Arial">Und so sitze ich ohne den Hauch einer Chance, aus der Nummer raus zu kommen (auch auf baba kann ich nicht bauen!) abends in einem kitschigen Wohnzimmer, in dem alle Möbel mit Plastikfolie abgedeckt sind, Obst und Blumen ebenfalls aus Plastik sind und eine große Edel-Samsung-Glotze mit Hip-Hop läuft. Die Leute sind ja nett – aber im Herzen will ich raus und endlich Esfahan by night sehen!!! </font></span></p>
<p><span><font face="Arial">Irgendwann geht’s zu Tisch – und selbst dann nehmen sie nicht die Plastikverpackungen mit den langen Reißverschlüßen von den Polsterstühlen!!! Da setzt man sich drauf!!! Ich wage leise zu fragen, wieso. Damit man sie später wieder wie neu verkaufen kann, flüstert mein Cousin ernst. Die ganze Szenerie ist wie immer in OP-Beleuchtung (weißes Neonröhren-Licht) getaucht und es gibt überbackenen Toast und alkoholfreies Bier. In meiner Verzweifelung trinke ich Anti-Bier-Liese sogar das!</font></span></p>
<p><span></span><span><font face="Arial">Als ich denke, jetzt ist es spät, jetzt gehen wir &#8211; wie immer noch versprochen &#8211; raus und nehmen ein Getränk mit Blick auf Esfahan zu uns, rücken sie an mit Geschenken und „Sparkling Peach Juice“ der aussieht wie Sekt und einem herzförmigen Kuchen, auf dem mein Name steht und einer wachsernen „42“, von deren Vier ein Teil abgebrochen ist, den jeder anderes wieder dran kleben will. Sie singen und klatschen und ich soll tanzen. Die Leute sind nett, meinen es sehr gut, es ist ziemlich skuril, ich will sie nicht enttäuschen, versuche, das Witzige an der Szenerie in den Vordergrund zu stellen und mache mit. </font></span></p>
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		<title>Shiraz</title>
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		<pubDate>Sat, 23 Sep 2006 14:51:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>tinenatali</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir kommen nachts um 1 h in Shiraz an, fahren direkt zu einer Sandwich-Bude, die einem Freund gehört. Dieser freut sich sehr, verköstigt uns mit Hähnchen und hat ein Hotelzimmer besorgt. Wir sitzen draußen und man merkt nicht, wie spät es ist, weil es eh schon seit 19 h dunkel ist. Dass es irgendwann halb [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=tinenatali.wordpress.com&blog=384513&post=25&subd=tinenatali&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;">Wir kommen nachts um 1 h in Shiraz an, fahren direkt zu einer Sandwich-Bude, die einem Freund gehört. Dieser freut sich sehr, verköstigt uns mit Hähnchen und hat ein Hotelzimmer besorgt. Wir sitzen draußen und man merkt nicht, wie spät es ist, weil es eh schon seit 19 h dunkel ist. Dass es irgendwann halb drei nachts ist (unter der Woche wohlgemerkt!) merkt man weder an den Kindern, die rumlaufen, noch an den geöffneten Lebensmittelläden, noch an den Schweißarbeiten, die zwei Männer am Laden nebenan durchführen, noch am Jungvolk, das zum Kebab-Essen kommt und es sich draussen am Tisch gemütlich macht, Jungs und Mädels gemischt!</span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;"> </p>
<p></span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;">Weil meine Nacht in Yazd unterm Sternenhimmel im Innenhof so kurz war, fall ich um vor Müdigkeit. Doch da hab ich Pech gehabt. Das für uns „vorreservierte“ Hotel besteht darauf, dass ich als Ausländerin erstens mehr und zweitens in Dollar bezahlen müsse. Mein Vater und sein Freund diskutieren lange und zwecklos. Versuchen, andere verschlafene Hoteliers anzurufen. Bisschen schwierig um die Uhrzeit, zumal die Shirazi als äusserst gemütliches, arbeitsscheues Völkchen im ganzen Land verschrieben sind. Alles Gepäck wieder ins Auto, Weiterfahrt zum nächsten Hotel. Da winkt uns jemand vom Strassenrand heran. Ein dünner junger Typ mit viel Bart, der seinen Plastikbecher Tee festhält, als besässe er nichts anderes … stimmt vermutlich sogar! Ich wundere mich, warum die Herren um mich herum überhaupt darauf eingehen, dem Tee-Mann zu folgen und sich ein Hotelzimmer anzuschauen. Die „Rezeption“ im 1. Stock eines insgesamt seltsamen Hauses ist vielsagend, das Treppenhaus ist das letzte. Als wir im 4. Stock ankommen und die Zimmertür geöffnet wird, rutscht mir raus: „Warst du schon mal im Knast, baba?!“ Ich bedauere, dass ich keinen Fotoapparat griffbereit habe, aber den Anblick werde ich eh nie vergessen: Drei Feldbetten stehen ohne Zwischenraum aneinandergestellt mit frag-mich-nicht-welchen-Decken drauf und nehmen damit die gesamte Breite, sowie ca. 80% des ganzen Raumes ein! Ganz oben an der Wand, wo keiner drankommt ein vergittertes Fenster! Mehr gibt’s nicht.</span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;">Baba schaut mich an „Was meinst du?“ Ich finde die Frage allein schon empörend, halte die Klappe und vertraue auf meinen Gesichtsausdruck.</span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;"> </p>
<p></span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;">Wir haben den kleinen Rest der Nacht dann doch noch in dem Dollar-Hotel verbracht und ich wundere mich über die gravierenden Unterschiede zwischen den Hotels und ihren Preisen. Dieses ist teuer und lausig. Wir hauen dort anderntags schnell wieder ab und suchen ein neues. Das ist edel und viel günstiger … Marmor, weisse Ledersessel, Glastische, alles in schwarz, weiss und altrosa gehalten, ein bisschen Persepolis wird angedeutet, dazu die Bilder von Chomeini und Chamenei (ersterer wird immer größer dargestellt als sein amtierender Nachfolger &#8211; das ist er für die Leute auch!) und zu dieser Mixtur ertönt als Hintergrundmusik die persische Fassung von „Nothing else matters“!!!!!</span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;">Wären wir doch gleich hier gelandet. Vorreservierungen sind im Iran nicht üblich, erfahre ich, es sei denn, man macht einen Vertrag mit einer Reiseagentur. Auf Zusagen am Telefon kann man sich nicht verlassen. Im Prinzip muss man einen Freund, der vor Ort ist, ins Hotel schicken und reservieren lassen, aber richtig sicher ist das auch nicht. </span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;">Ich komme mir ganz schön deutsch vor….</span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;"> </p>
<p></span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;">Wir bewegen uns per Taxi durch die Stadt – das ist unglaublich billig. Die offiziellen Taxis nehmen mangels Touristen derzeit die gleichen Billigpreise wie private Taxis, die man nur daran erkennt, dass sie vor einem halten, wenn man am Strassenrand steht. Es sind Privatleute, die von jetzt auf gleich entscheiden, ob sie für die Leute die da stehen, Taxi spielen wollen.</span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;">So kommen wir für wenige Cent zur Grabstätte von Hafez. Diese ist in einen schönen Park eingebettet mit Blumen und schattenspendenden Bäumen und hat eine sehr friedvolle Atmosphäre. Das Areal ist eingezäunt und es kostet Eintritt, aber der ist wie immer hier verschwindend gering und mein Vater mit seinem Renterpass kommt sowieso umsonst rein. Das Grabmal selber ist eine erhöhte Marmorplatte auf einem Sockel in die seine Verse eingraviert sind. Darüber erhebt sich auf Säulen eine wunderschöne Kuppel, die an jene in den Moscheen erinnert – reich verziert. Ein paar Stufen führen zum Grabmal hinauf. Wenn man dort hinaufgeht, begrüßt man ihn mit „durud Hafez!“. Die eigentliche Begrüßung „salaam“ wäre für den Jahrtausend-Dichter zu schnöde. Dann fasst man die Marmorplatte an, die meissten legen einen Finger drauf, und murmelt Koranverse in sich hinein. Ich frage, warum sie nicht passenderweise Hafez’ Verse murmeln? Naja, sagt baba, was die Leute wirklich tun, weiß man nicht – es ist wie immer! Hafez ist zwar seit 600 Jahren tot, wird hierzulande aber unglaublich verehrt und ist auch im Alltag in aller Munde! Im hinteren Teil des Parks eröffnet sich wieder unerwartet ein sehr schöner teils schattiger, grüner Innenhof mit Springbrunnen, Liegestätten mit ihren dicken roten Kissen (sie heißen „tacht“ – also Thron!), Sitznischen … hier könnte ich ewig bleiben, in Ruhe lesen und den ganzen Tag mal dieses trinken, mal jenes naschen, dazu die Wärme</span><span>  </span>… hach!!!<span style="font-size:11pt;font-family:Arial;"> </p>
<p></span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;">Lange kann ich nicht so rumdösen, weil mich ein paar junge Mädels mit ihrer Familie entdecken und über mich und Deutschland und das miese Image des Iran Löcher in den Bauch fragen. Sie sind um die 18, gut gebildet, wissbegierig und temperamentvoll. Wie hierzulande üblich werden sie zur Uni gehen (60% der Studenten sind Frauen, auch in den technischen Fakultäten!) und dann der großen Tradition nachgehen und eine Familie mit Kindern gründen, weil das für sie das einzig Wahre ist, weil sie so aufgewachsen sind, immer innerhalb der Familie ihr Leben bestreiten, durchaus ihre Cousins heiraten, sich nur dort wirklich gut und sicher fühlen. Man kapiert das, wenn man hier selber eine Familie hat und das „Innenverhältnis“ im Vergleich zu aussen erlebt. Freunde haben einen anderen Stellenwert als bei uns. Weil die Familie klar den höchsten Stellenwert hat. Bei einer 150-Mann-Hochzeit sind vielleicht 3-4 Freunde dabei, so sind in etwa die Relationen.</span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;"> </p>
<p></span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;">Wir fahren zu einem Basar, erst ist Siesta-Zeit, die Händler schlafen auf ihren Reis- oder Gewürzsäcken, Teppichen, Stoffballen, Kleidern oder was auch immer sie eigentlich verkaufen. Manchen breiten im Laden ein paar Zeitungsblätter aus, setzen sich im Schneidersitz drauf und essen perisches Fast-Food (Reis mit irgendwas). Manche Händler verhängen ihren Verkaufsstand mit einem großen weißen Tuch, andere habe einfach weiterhin auf. Es herrscht dennoch angenehme, entspannte Atmosphäre, es riecht nach Kardamom, Koriander und anderen Gewürzen und irgendwie spürt man doch, dass es hier bis vor kurzen noch laut und hektisch zugegangen sein muss.</span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;"> </p>
<p></span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;">Wir kommen an einen Parfumladen, der hübsche Flakons hat und unerträglich nach allem gleichzeitig riecht. Die Verkäuferin erklärt mir, wie man das überlebt und hält mir eine Glasschale mit etwas Braunem unter die Nase…. Kaffeepulver! Lecker!!! Tja, sagt sie, wenn sie Kunden mehrere Düfte vorführt, dient der Nasen-Ausflug in den Kaffee-Pott als Neutralisation! Wie schlau !</span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;"> </p>
<p></span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;">Diese verschlafene vierstündige Mittagszeit nutzen kleinen Jungs und Mädchen, ihren Blödsinn auf die leeren, staubigen, sonnengesprenkelten Gewölbegänge des Basars auszuweiten. Niemand stört sie dabei und es weht eine beneidenswerte Atmosphäre von Freiheit um sie herum…</span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;"> </p>
<p></span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;">Plötzlich stehen wir in einem großen Hof, rundherum Basar-Läden, viele Bäume, in der Mitte ein großes Wasserbecken mit Springbrunnen, im 1. Stock auch Läden, verhängt mit hellen großen Tüchern, aussenrum eine Ballustrade. Dort schlendern wir in der Mittagshitze entlang, und gucken in einem winzigen Laden zwei Handwerkern auf die Finger, die die „Chotam“-Technik beherrschen – das sind millimeterdünne Zierleisten, die meisstens zur Verzierung für Spiegel, Bilderrahmen, Schachspiele und Dosen angefertigt werden. Sie erklären uns, wie sie sie aus Kamelknochen, verschiedenfarbigem Holz und Messingdrähten in einer unendlichen Kleinarbeit herstellen und dann in dünne Scheiben schneiden, brechen Leisten durch, feilen sie an und zeigen uns die hauchdünnen Querschnitte. Ich bin froh, hier immer etwas zu naschen dabei zu haben, so kann ich süsses Brot rumreichen, während sie ihre Arbeit für uns unterbrechen und Anschauungsunterricht geben. Am Ende bekomme ich die Leisten geschenkt.</span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;"> </p>
<p></span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;">Wenn ich den Palast von Karim Khan e Zand (über 500 Jahre alt) mit seinen Orangenbaum-Alleen anfange zu beschreiben, wird der weblog zu lang … wir waren dort eine ganze Weile drin und ich habe sehr schöne Bilder, auch von der dortigen Ausstellung alter Fotografien! In den weblog stelle ich u.a. mein Lieblings-Bild: Das Hamam des Khans!</span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;"> </p>
<p></span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;">Apropos Hamam (Dampfbad): Abends waren wir in einem!!! Aber nicht zum Schwitzen! Zum Essen! Babas Freund hat es sich nicht nehmen lassen, uns in ein ehemaliges großes, wunderschönes Hamam einzuladen, in dem er früher Preise errungen hat (im wahrsten Sinne – er war Ringer!), als es noch eine öffentliche Sporthalle war … vor ca. 40 Jahren. Heutzutage ist es ein sauschönes Restaurant und &#8211; Regierung hin, Verbote her &#8211; da sitzen tatsächlich Musiker und spielen ganz herrliche persische Weisen. Die Gäste kennen so ziemlich jedes Lied und man spürt körperlich, dass sie kurz davor sind, aufzuspringen und zu tanzen. So klatschen und pfeifen sie nur und schnippen so komisch mit den Fingern, wie auch ich das inzwischen lernen musste – sonst ist man nicht echt! Am späteren Abend steigert sich die Spannung, die Lust sich zu den vertrauten, geliebten Klängen zu bewegen derart, dass es sich da Bahn bricht, wo die Kontrolle am ehesten kippen kann – bei den Kindern! Drei, vier Kinder in verschiedenen Ecken des Lokals halten es nicht mehr aus, steigen auf die Tische und tanzen orientalisch…. aber WIE!!!! Jungs wie Mädels, die nicht älter als fünf sind und sich bewegen als seien sie zwanzig Jahre älter, holla !!!!!! Schwer, sich vorzustellen, ist mir klar! Kein Touristen-Gag! Alle sind wie aus dem Häuschen und wie die Eltern stolz auf die Kleinen. Nachdem ich erst nicht glauben kann, was ich da seh und dann begeistert bin, bleibt mir irgendwann das Lachen im Halse stecken. Todtraurig ist das hier im Lande, dass alles, was Spass macht, verboten wird, dass das Volk es wie so vieles andere hinnimmt – und dann die Kinder stellvertretend und halblegal das ausdrücken, was nicht sein darf.</span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;">Ich weiss nicht, ob rüberkommt, was ich meine. Ich sehe und begreife hier mehr, als ich aufschreiben kann und vielleicht ist eine solche Überlegung jetzt nicht nachvollziehbar?</span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;">Dieses Thema berührt eine prinzipielle Haltung der Perser, die mir täglich begegnet, die ich versuche zu begreifen und die tief in der Geschichte des Volkes verwurzelt ist. Ich nenne es salopp für mich die „Opferlamm- und Inshallah-Haltung“, aber das bedarf der Erläuterung.</span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;"> </p>
<p></span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;">Da babas Freund auch hier Freunde hat, bekommen wir vom Koch eine kleine Spezial-Führung hinter die Kulissen, also durch das gesamte Hamam! Nach dem Essen kommt ein Calligraph an unsere persische Liegewiese („tacht“!), babas Freund schmettert ihm einen Hafez-Vers an den Kopf, der Schreiberling zaubert mit seiner Tusche –fertig ist das Kunstwerk! Und schenkt es mir! Während ich versuche, die Schnörkel zu lesen, hauen sich die Herren immer weiter inbrünstig Hafez-Verse um die Ohren, beweisen einander ihr Wissen und ihre Liebe zum Dichter und kriegen feuchte Augen. </span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;">Am nächsten Morgen kaufe ich einen Chotam-Rahmen für das Kunstwerk!</span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;"> </p>
<p></span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;">So war Shiraz!</span><span style="font-size:11pt;font-family:Arial;"> </p>
<p></span></p>
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		<title>Wo man so zum weblog schreiben kommt&#8230;</title>
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		<pubDate>Tue, 19 Sep 2006 14:53:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>tinenatali</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Wo man so zum weblog-schreiben kommt…
… ich throne wie Queen Elizabeth auf ihrem königlichen Elefanten im hochgebockten Wagen mit dem Laptop auf den Knien, während baba und ein vom Abendessen weggezerrter Mechaniker sämtliche Reifen daran austauschen! Mal werde ich hoch gehebelt, mal saust es ganz schön wieder runter, wenn es sehr doll wackelt, hopsen sie [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=tinenatali.wordpress.com&blog=384513&post=24&subd=tinenatali&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Wo man so zum weblog-schreiben kommt…</p>
<p>… ich throne wie Queen Elizabeth auf ihrem königlichen Elefanten im hochgebockten Wagen mit dem Laptop auf den Knien, während baba und ein vom Abendessen weggezerrter Mechaniker sämtliche Reifen daran austauschen! Mal werde ich hoch gehebelt, mal saust es ganz schön wieder runter, wenn es sehr doll wackelt, hopsen sie auf den Kreuzschraubschlüsseln rum.<br />
Draußen ist es dunkel und wird überraschend kalt. So habe ich wenigstens etwas Warmes auf dem Schoß!<br />
Warum alle Reifen? Es ist schon wieder einer geplatzt! Selbe Stelle &#8211; der just Ersetzte nämlich! Da wir eigentlich auf den anderen Hinterreifen gewettet hatten, der als nächstes platzen müsste, weil er einen fünf-Mark-Stück-grossen Flicken aufweist, der wie eine Riesenpocke aussieht, hat baba nun ein Einsehen und besorgt unter Aufrütteln einer ganzen verschwägerten Reifen-Clique im nächsten Städtchen tatsächlich zwei neue Reifen. Die neuen vorne drauf, die anderen nach hinten.<br />
Deshalb rumpelt es hier so.<br />
Ach ja, und weil sie keine Hebebühne haben, sondern alles im Schein einer kleinen Leuchte am Boden erledigen!</p>
<p>Diesmal geschah es auf der belebten zweispurigen Autobahn nach Shiraz, praktischerweise waren wir gerade auf der linken Spur und hatten keine Chance mehr auf einen anständigen Straßenrand…! Da ist es auch nett zu wissen, dass man schon so lange vorher angeblinkt und angehupt wird, bevor sie einen dann doch überfahren wollen!<br />
Diesmal war’s noch ein bisschen später am Tage und wir mussten uns ziemlich beeilen – um 18.30 h ist quasi nichts mehr zu sehen, so dunkel ist es, weil unbeleuchtet.<br />
Wegen der schlechten Strasse stand das Auto ein bisschen schräg – aber zum wagenheberkurbeln genau in die flasche Richtung! Wieder hieß es , ich könnte nichts helfen und so machte ich mich auf den Weg in die Pampa, um dem nächsten öffentlichen Klo vorzubeugen. Und während ich mich weit von der Autobahn entfernte, kam ich plötzlich an eine Ansammlung von Kulen, quasi Erdlöcher, die einen mit Holz abgestützten Eingang hatten und íns Erdinnere führten. Das fand ich spannend. Hatte leider keine Taschenlampe dabei. Aber wer oder was soll da schon drin sein dachte ich? Zieh also den Kopf immer mehr en, um so mehr ich im Eingang verschwinde – da wird’s mir plötzlich doch mau: Da blitzen mich zwei Augen an!!! Oder sind es zwei Diamanten, die da zufällig nebeneinander liegen? Ja, im Ernst, auf so ne Idee kam ich, weil es so funkelte! Im Weiterschleichen dachte ich „Bitte bitte, lass es Juwelen sein oder ein Tier, mit dem ich fertig werde!!!“ Es dauerte lange bis ich ran war. Bis sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Bis ich endlich raus hatte, was mich da so anfunkelt. &#8211; Chio Chips! Ne Tüte! Der übliche persische Dreck! Zum Zustand dieses Landes passt das wie die Faust aufs Auge: Herrliche Kulturgüter und alles, was man darin entdeckt ist Abfall, der auch noch sehr westlich aussieht.<br />
Die Böden sind mit etwas weichem grünen ausgelegt und ich denke, nachdem ich die ca. zehn flachen Behausungen und Erdlöcher inspiziert habe erstens an Saddam Hussein und zweitens, dass wir hier zur Not gut geschützt übernachten können, wenn das mit dem Wagen nichts mehr wird. Als ich zurück komme, sieht es auch ganz danach aus. Baba ist noch keinen Schritt weiter als vor meiner Erkundungstour. Ich erfahre mit Mühe, dass seine Konstruktion, die Wagenheber auf Steine zu stellen, zu wackelig war und ihm der Wagen wieder runtergesaust ist. Nun mische ich mich ein, schleppe Steine herbei und beäuge das Manöver bis zum Schluß.</p>
<p>Und so kamen sie schliesslich zu neuen Reifen und fuhren weiter nach Shiraz </p>
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		<title>Ab gehts nach Yazd</title>
		<link>http://tinenatali.wordpress.com/2006/09/18/ab-gehts-nach-yazd/</link>
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		<pubDate>Mon, 18 Sep 2006 08:13:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>tinenatali</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Bei Stadt-Land-Fluß hätte ich „Yazd“ auf jeden Fall genommen, denn ich wusste, dass es eine Stadt im Iran ist. Das war aber auch schon alles. Ich hätte mich auch gar nicht drum gerissen, hinzufahren, wenn uns nicht der Tipp von dem Reisebüro-Menschen gegeben worden wäre, der sich um mein Visum gekümmert hat. Zudem sei es [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=tinenatali.wordpress.com&blog=384513&post=23&subd=tinenatali&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Bei Stadt-Land-Fluß hätte ich „Yazd“ auf jeden Fall genommen, denn ich wusste, dass es eine Stadt im Iran ist. Das war aber auch schon alles. Ich hätte mich auch gar nicht drum gerissen, hinzufahren, wenn uns nicht der Tipp von dem Reisebüro-Menschen gegeben worden wäre, der sich um mein Visum gekümmert hat. Zudem sei es die Stadt der Kekse und dann war’s natürlich keine Frage mehr!</p>
<p>Unsere Reifenprobleme werden im nächsten Städtchen von einem Elfjährigen behoben. Ihm assistiert ein Achtjähriger. Erwachsene sind nicht zu sehen. Nur zwei, drei noch kleinere Jungs – die machen gerade ein Praktikum!</p>
<p>Ich guck mich währenddessen um. Der Dreck im Wasser der breiten Bürgersteig-Rinnen tut einem ehrlich weh. Viel Plastik. Flaschen, Chipstüten, das übliche. Aber soviel direkt vor ihren Haustüren? Gut finde ich die Trink-Anlagen: Überall gibt es auf halber Höhe am Strassenrand kaltes klare Trinkwasser aus 3 bis 4 Hähnen, an dem sich die Leute bedienen können. Manchmal steht an den Kästen dran, wer der Stifter war, meisstens nicht. Es hilft sehr in einer Gegend, in der es monatelang nicht regnet! Aber auch in Teheran sind diese Trinkstellen zu finden.</p>
<p>Auf der Weiterfahrt fängt das Auto plötzlich an zu rucken und zu spucken und ist immer weniger bereit, dem Gas-Fuß zu gehorchen. Sprich: Es ruckelt uns zum Stillstand.<br />
Natürlich befinden wir uns gerade am Rande der größten Steinwüste Irans (Dascht-e-Kavir), an deren Rand wir den ganzen Tag entlang fahren. Natürlich ist wiedermal fast niemand unterwegs. Baba vermutet Dreck im Benzin, oder Vergaser, Filter, wasweissich … Abkühlen hilft dem Motor schon mal und durch diverse Experimente nehmen wir tatsächlich irgendwann auch wieder Fahrt auf. Der Rosenkranz am Spiegel scheint bei diesem Auto so seine Berechtigung zu haben&#8230; Mir war übrigens gar nicht klar, dass Moslems den auch benutzen. Inzwischen weiss ich dank Internet, dass auch Juden und Buddhisten den Rosenkranz haben.</p>
<p>Als wir in Yazd ankommen, ist es mal wieder stockdunkel, aber an den beleuchteten Plätzen kann man sehen, wie schön die Stadt sein muss! Durch den Freund eines Freundes (wie immer) geraten wir an Hotel Rose. Wenn man in eine Gasse fährt, in der man ausser hohen Mauern nichts, aber auch gar nichts sieht, kann man davon ausgehen, dass dahinter etwas sehr schönes ist – das merkt ich immer wieder. Den Eingang zum Hotel Rose würde man noch nichtmal erkennen. Dann geht man durch einen langen schmalen Korridor mit Türen aus buntem Glas. Noch um eine Ecke rum, da ist der Empfang – sehr hübsch! Wenn man dann noch mal ums Eck geht – dann steht man völlig sprachlos da!<br />
Ein Innenhof, ein Atrium, ein Springbrunnen, rötlich angestrahlter Arkadengang, überall Laternen, Rosen, mit Teppichen ausgelegte erhöhte Liegestätten, aber auch Tische und Stühle wie im Restaurant, ein Gang rundherum mit wunderschönen Türbögen aus buntem Glas – ich krieg mich gar nicht mehr ein. Erstrecht nicht als ich kapiere, dass dies nicht eine Art „Lobby“ ist und die Zimmer irgendwo weiter hinten sind …. die Zimmer befinden sich direkt hinter den Glastüren!!! Man kann vom Bett aus auf den Hof schauen! Es ist zum schwachwerden!<br />
Wir werden auch schwach, kaufen uns eine große Schachtel gemischter Yazd-Kekse (unbeschreiblich lecker!!), speisen am Tisch zu Abend und lassen uns dann mit den Keksen und selbstgebrautem Kaffee (!) auf einer Liegestatt nieder. Hier draussen hätten wir auch jederzeit geschlafen!!!<br />
Ich will gar nicht ins Bett und sitze noch bis 3 h in der Nacht und staune und genieße.</p>
<p>Am nächsten morgen lassen wir uns von Hadi (der Freund eines Freundes!) durch Yazd führen. Wir sehen das „Feuerhaus“, in dem seit 1000 Jahren dasselbe Feuer brennt und an dessen Wänden Verse von Hafez und Zarathustra hängen. Dann bringt er uns in eine Moschee. Auf der Fahrt dorthin, will ich schon ständig aussteigen, weil ich so tolle Gebäude sehe, die er einfach links liegenlässt. Vor der Moschee angekommen, verstehe ich warum! Das Portal ist das höchste einer Moschee im Iran und in seiner lapislazuliblauen Machart äusserst beeindruckend! Allein die riesigen mosaikgeschnitzten Holztüren! Vor jeder Moschee ist ein großes Wasserbecken, in dem die Leute, die zum Gebet kommen, sich Hände, Füsse und Gesicht waschen müssen. Ich lerne, dass die Wascherei und andere Vorbereitungen länger dauern als das Gebet selber, dass nämlich nur maximal 5 bis 7 Minuten in Anspruch nimmt.<br />
Hadi wandert mit uns durch die Moschee und erklärt alles: Das ausgefeilte Belüftungssystem, wie man das Licht so bündelt, dass der Mullah immer angestrahlt wird, wie man die Akkustik gestaltet hat, damit sich der Schall über die ganze Moschee erstreckt (heute per Lautsprecher), was mich irgendwie an das Dach der Philharmonie erinnert, aus welcher Baumwolle die Bet-Teppiche gemacht sind, damit sie den Betenden im Sommer kühlen und im Winter wärmen…. hier vereinigt sich eine beeindruckende Fülle von Wissenschaften!<br />
Ich erlebe das Mittagsgebet! Wie in der Kirche ist der Mullah vorne und betet vor, dann kommen Reihen von Männern (stehend, knieend, liegend – das wechselt in den paar Minuten Gebet oft!), dann Frauen (theoretisch – es waren heute keine da). Alle barfuß.<br />
(Ich stehe weiter weg und darf diskret fotografieren.)<br />
Für die Frauen gibt es nicht sichtbare Seitengänge, die sie benutzen, wenn sie Fragen an den Mullah haben, damit sie nicht durch die ganzen Männerreihen latschen müssen. Die Seitengänge kommen vorne unmittelbar beim Mullah raus!</p>
<p>Hadi führt uns durch diese höchstens zweigeschossige Stadt mit ihren rötlich-gelben Flachdach-Bauten, durch Gassen in einen Hinterhof und rein in ein unscheinbares Teppichgeschäft. Ha, denke ich – der Freund eines Freundes will auch Geschäfte machen? Ich bin überrascht, wie unaufdringlich die Besitzer dort sind – wir sind nämlich gar nicht wegen der Teppiche hier, nein nein – Hadi will mit uns nur auf deren Dach, weil man von dort so einen tollen Ausblick auf die Stadt hat !!!!<br />
Und überraschenden Einblick auf einen Innenhof mit Springbrunnen, in dem es alte Keramik, Kelims, Schmuck und tausenderlei andere schöne Dinge gibt !! Wieviele solcher Innenhöfe mag es hier noch geben ???!!!
</p>
<p>Der nächste Abstecher bringt uns zum Basar – es ist Siesta-Zeit (von 13 h bis 17 h) und so können wir viel Architektur bewundern, weil nichts anderes ablenkt.<br />
Es sind so viele (überdachte) Bogen-Gänge und Abzweigungen, dass man sich komplett verlaufen und lange darin unterwegs sein kann. Hin und wieder rauschen Mopedfahrer da durch. Mal gibt es Ausgänge nach draussen, mal muss ein Teil komplett ausgeleuchtet werden, weil es keine Fenster gibt. Wir kommen an einem echten alten Bäcker vorbei, der in zwei Öfen gleichzeitig backt – das heiße Brot haben wir im Nu verputzt !!!!!<br />
Weil wir dazu etwas zu trinken brauchen, führt uns Hadi noch um 3 Ecken – und peng! Wir stehen in einem unglaublich schönen, uraltem Innenhof!! Segeltuch als Schattenspender halb über den Innenhof gespannt, Wassergeplätscher, Friede, Liegestätten, Wärme, Prinzessinnen-Dasein!</p>
<p>Und so blieben sie denn dorten und hieben sich den Bauch mit warmem Brot und kaltem Doog voll, bis sie platzten <img src='http://s.wordpress.com/wp-includes/images/smilies/icon_wink.gif' alt=';-)' class='wp-smiley' /> </p>
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		<title>Abyaneh</title>
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		<pubDate>Mon, 18 Sep 2006 07:53:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>tinenatali</dc:creator>
				<category><![CDATA[Uncategorized]]></category>

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		<description><![CDATA[Abyaneh
Am nächsten Morgen erwachen wir in einer roten Stadt ! Alles ist rot: Häuser zum Teil kaminrot (so hieß jedenfalls die Farbe in meinem Tuschkasten, die mich daran erinnert), sonst rostrot, die Felsen und Berge ebenso. Wir rollen vom Hotel aus runter zur Ortsmitte und wollen uns nur ein bisschen umschauen. Es muss ja immerhin [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=tinenatali.wordpress.com&blog=384513&post=22&subd=tinenatali&ref=&feed=1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class='snap_preview'><br /><p>Abyaneh</p>
<p>Am nächsten Morgen erwachen wir in einer roten Stadt ! Alles ist rot: Häuser zum Teil kaminrot (so hieß jedenfalls die Farbe in meinem Tuschkasten, die mich daran erinnert), sonst rostrot, die Felsen und Berge ebenso. Wir rollen vom Hotel aus runter zur Ortsmitte und wollen uns nur ein bisschen umschauen. Es muss ja immerhin noch auf dem Weg eine Werkstatt gefunden und dann 400 km zum nächsten Zielort gefahren werden (was hier ja wesentlich länger als 4 Stunden dauert!). Wir schlendern in ein Gässchen rein – und da zieht es uns tief in die Faszination dieses Dörfchens.</p>
<p>Der ganze Ort besteht aus kleinen, flachen Lehmbauten. Man nehme Lehm, man nehme Stroh – fertig ist die Baumasse. Den Rest erledigt die Sonne, in der die Melange quasi gebacken wird. Dieser Ort Abyaneh ist 2000 Jahre alt und die Leute hier leben so ein bisschen wie damals. Es gibt Strom und auch ein paar Autos. Wir schätzen, dass es mit Kind und Kegel vielleicht tausend Einwohner hat, denn es sind unendlich viele kleine rote Behausungen, die an einem Berghang kleben. Die Gassen gehen rauf und runter, mal breiter, mal schmaler, herrliche Torbögen, Haustüren gleichen Schranktüren aus dickem alten Holz, wenige Häuser haben knorrige Balkone am ersten Stock hängen, die nicht vertrauenswürdig, aber sehr hübsch aussehen. Es gibt ein Gässchen wie ein Tunnel, recht lang, niedrige Decke und sehr eng – zwei Leute können kaum nebeneinander gehen. Baba erzählt, dass man Leute, die sich zerstritten haben, gemeinsam durch solche Gässchen schickt – durch die Enge kommen sie sich unweigerlich so nahe, dass sie sich wieder vertragen müssen. (Schöne Idee, aber kann das nicht auch ins Gegenteil,umschlagen ???)</p>
<p> Wir bewundern uralte Reistöpfe auf Feuerstellen, Wasserläufe, Ornamentik, Esel, Hutzelmütterchen und klapperdürre Männlein, Kinder in traditioneller Kleidung (große weiße Kopftücher mit Blumenmuster, pinkefarbene Oberteile, schwarze Röcke, weisse Strumpfhosen) und recht viele Touristen, die sie immer wieder fotografieren. Die Kinder lassen es brav über sich ergehen, denn der Tourismus ist hier die wichtigste Ressource. Es sind übrigens nur Touris aus dem eigenen Land da. Zu der ganzen Szenerie gibt es viel Sonne, viel Staub, viel Wärme und über das Örtchen schallende Klagelieder. Erst dachten wir, der Muezzin hätte sich um eine Stunde vertan, dann kamen wir aber an einem Haus vorbei, in dem getrauert wurde – eine Frau war gestorben und ihr zu Ehren gibt es den Gesang.</p>
<p>Dann kommen wir an eine Moschee und nachdem mein Vater getestet hat, ob da auch Frauen ohne Tschador reindürfen, habe ich Zutritt. Im Innenhof geht es lustig zu, Kinder kreischen, planschen am Wasserbeckenrand und es ist jede Menge Trubel. Eine Wand hängt voller Bilder derer, die man anbeten könnte. Weiter innen beten manche vertieft an plastikblumenbehängten Heiligkeiten.</p>
<p>In einem Laden (von aussen sind sie selten als solche zu erkennen) läuft eine DVD über den Ort. Wir erwischen gerade die Szene, als ein Trauerzug durch die menschenvollen Gassen zieht, 10 Männer auf den Schultern eine riesige Holzkonstruktion mit der Leiche tragen, auf der abschüssigen Gasse plötzlich ins Straucheln geraten und mit Holzkonstruktion, dem Toten und ordentlich Schmackes auf die Trauernden zu fliegen! Ein vielfaches Quieken, Aufschreien, helfende Hände, stützende Arme – die Katastrophe wird im letzten Moment aufgefangen. Doch die Szene hat etwas so urkomisches, dass wir schnell aus dem Laden rausmüssen….</p>
<p>Vorher habe ich dort sogar ein Poster gekauft, auf dem man das ganze rote Dorf am roten Hang sehen kann – so schön ist das!</p>
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