Wo man so zum weblog-schreiben kommt…

… ich throne wie Queen Elizabeth auf ihrem königlichen Elefanten im hochgebockten Wagen mit dem Laptop auf den Knien, während baba und ein vom Abendessen weggezerrter Mechaniker sämtliche Reifen daran austauschen! Mal werde ich hoch gehebelt, mal saust es ganz schön wieder runter, wenn es sehr doll wackelt, hopsen sie auf den Kreuzschraubschlüsseln rum.
Draußen ist es dunkel und wird überraschend kalt. So habe ich wenigstens etwas Warmes auf dem Schoß!
Warum alle Reifen? Es ist schon wieder einer geplatzt! Selbe Stelle – der just Ersetzte nämlich! Da wir eigentlich auf den anderen Hinterreifen gewettet hatten, der als nächstes platzen müsste, weil er einen fünf-Mark-Stück-grossen Flicken aufweist, der wie eine Riesenpocke aussieht, hat baba nun ein Einsehen und besorgt unter Aufrütteln einer ganzen verschwägerten Reifen-Clique im nächsten Städtchen tatsächlich zwei neue Reifen. Die neuen vorne drauf, die anderen nach hinten.
Deshalb rumpelt es hier so.
Ach ja, und weil sie keine Hebebühne haben, sondern alles im Schein einer kleinen Leuchte am Boden erledigen!

Diesmal geschah es auf der belebten zweispurigen Autobahn nach Shiraz, praktischerweise waren wir gerade auf der linken Spur und hatten keine Chance mehr auf einen anständigen Straßenrand…! Da ist es auch nett zu wissen, dass man schon so lange vorher angeblinkt und angehupt wird, bevor sie einen dann doch überfahren wollen!
Diesmal war’s noch ein bisschen später am Tage und wir mussten uns ziemlich beeilen – um 18.30 h ist quasi nichts mehr zu sehen, so dunkel ist es, weil unbeleuchtet.
Wegen der schlechten Strasse stand das Auto ein bisschen schräg – aber zum wagenheberkurbeln genau in die flasche Richtung! Wieder hieß es , ich könnte nichts helfen und so machte ich mich auf den Weg in die Pampa, um dem nächsten öffentlichen Klo vorzubeugen. Und während ich mich weit von der Autobahn entfernte, kam ich plötzlich an eine Ansammlung von Kulen, quasi Erdlöcher, die einen mit Holz abgestützten Eingang hatten und íns Erdinnere führten. Das fand ich spannend. Hatte leider keine Taschenlampe dabei. Aber wer oder was soll da schon drin sein dachte ich? Zieh also den Kopf immer mehr en, um so mehr ich im Eingang verschwinde – da wird’s mir plötzlich doch mau: Da blitzen mich zwei Augen an!!! Oder sind es zwei Diamanten, die da zufällig nebeneinander liegen? Ja, im Ernst, auf so ne Idee kam ich, weil es so funkelte! Im Weiterschleichen dachte ich „Bitte bitte, lass es Juwelen sein oder ein Tier, mit dem ich fertig werde!!!“ Es dauerte lange bis ich ran war. Bis sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Bis ich endlich raus hatte, was mich da so anfunkelt. – Chio Chips! Ne Tüte! Der übliche persische Dreck! Zum Zustand dieses Landes passt das wie die Faust aufs Auge: Herrliche Kulturgüter und alles, was man darin entdeckt ist Abfall, der auch noch sehr westlich aussieht.
Die Böden sind mit etwas weichem grünen ausgelegt und ich denke, nachdem ich die ca. zehn flachen Behausungen und Erdlöcher inspiziert habe erstens an Saddam Hussein und zweitens, dass wir hier zur Not gut geschützt übernachten können, wenn das mit dem Wagen nichts mehr wird. Als ich zurück komme, sieht es auch ganz danach aus. Baba ist noch keinen Schritt weiter als vor meiner Erkundungstour. Ich erfahre mit Mühe, dass seine Konstruktion, die Wagenheber auf Steine zu stellen, zu wackelig war und ihm der Wagen wieder runtergesaust ist. Nun mische ich mich ein, schleppe Steine herbei und beäuge das Manöver bis zum Schluß.

Und so kamen sie schliesslich zu neuen Reifen und fuhren weiter nach Shiraz 