Bei Stadt-Land-Fluß hätte ich „Yazd“ auf jeden Fall genommen, denn ich wusste, dass es eine Stadt im Iran ist. Das war aber auch schon alles. Ich hätte mich auch gar nicht drum gerissen, hinzufahren, wenn uns nicht der Tipp von dem Reisebüro-Menschen gegeben worden wäre, der sich um mein Visum gekümmert hat. Zudem sei es die Stadt der Kekse und dann war’s natürlich keine Frage mehr!
Unsere Reifenprobleme werden im nächsten Städtchen von einem Elfjährigen behoben. Ihm assistiert ein Achtjähriger. Erwachsene sind nicht zu sehen. Nur zwei, drei noch kleinere Jungs – die machen gerade ein Praktikum!
Ich guck mich währenddessen um. Der Dreck im Wasser der breiten Bürgersteig-Rinnen tut einem ehrlich weh. Viel Plastik. Flaschen, Chipstüten, das übliche. Aber soviel direkt vor ihren Haustüren? Gut finde ich die Trink-Anlagen: Überall gibt es auf halber Höhe am Strassenrand kaltes klare Trinkwasser aus 3 bis 4 Hähnen, an dem sich die Leute bedienen können. Manchmal steht an den Kästen dran, wer der Stifter war, meisstens nicht. Es hilft sehr in einer Gegend, in der es monatelang nicht regnet! Aber auch in Teheran sind diese Trinkstellen zu finden.
Auf der Weiterfahrt fängt das Auto plötzlich an zu rucken und zu spucken und ist immer weniger bereit, dem Gas-Fuß zu gehorchen. Sprich: Es ruckelt uns zum Stillstand.
Natürlich befinden wir uns gerade am Rande der größten Steinwüste Irans (Dascht-e-Kavir), an deren Rand wir den ganzen Tag entlang fahren. Natürlich ist wiedermal fast niemand unterwegs. Baba vermutet Dreck im Benzin, oder Vergaser, Filter, wasweissich … Abkühlen hilft dem Motor schon mal und durch diverse Experimente nehmen wir tatsächlich irgendwann auch wieder Fahrt auf. Der Rosenkranz am Spiegel scheint bei diesem Auto so seine Berechtigung zu haben… Mir war übrigens gar nicht klar, dass Moslems den auch benutzen. Inzwischen weiss ich dank Internet, dass auch Juden und Buddhisten den Rosenkranz haben.
Als wir in Yazd ankommen, ist es mal wieder stockdunkel, aber an den beleuchteten Plätzen kann man sehen, wie schön die Stadt sein muss! Durch den Freund eines Freundes (wie immer) geraten wir an Hotel Rose. Wenn man in eine Gasse fährt, in der man ausser hohen Mauern nichts, aber auch gar nichts sieht, kann man davon ausgehen, dass dahinter etwas sehr schönes ist – das merkt ich immer wieder. Den Eingang zum Hotel Rose würde man noch nichtmal erkennen. Dann geht man durch einen langen schmalen Korridor mit Türen aus buntem Glas. Noch um eine Ecke rum, da ist der Empfang – sehr hübsch! Wenn man dann noch mal ums Eck geht – dann steht man völlig sprachlos da!
Ein Innenhof, ein Atrium, ein Springbrunnen, rötlich angestrahlter Arkadengang, überall Laternen, Rosen, mit Teppichen ausgelegte erhöhte Liegestätten, aber auch Tische und Stühle wie im Restaurant, ein Gang rundherum mit wunderschönen Türbögen aus buntem Glas – ich krieg mich gar nicht mehr ein. Erstrecht nicht als ich kapiere, dass dies nicht eine Art „Lobby“ ist und die Zimmer irgendwo weiter hinten sind …. die Zimmer befinden sich direkt hinter den Glastüren!!! Man kann vom Bett aus auf den Hof schauen! Es ist zum schwachwerden!
Wir werden auch schwach, kaufen uns eine große Schachtel gemischter Yazd-Kekse (unbeschreiblich lecker!!), speisen am Tisch zu Abend und lassen uns dann mit den Keksen und selbstgebrautem Kaffee (!) auf einer Liegestatt nieder. Hier draussen hätten wir auch jederzeit geschlafen!!!
Ich will gar nicht ins Bett und sitze noch bis 3 h in der Nacht und staune und genieße.
Am nächsten morgen lassen wir uns von Hadi (der Freund eines Freundes!) durch Yazd führen. Wir sehen das „Feuerhaus“, in dem seit 1000 Jahren dasselbe Feuer brennt und an dessen Wänden Verse von Hafez und Zarathustra hängen. Dann bringt er uns in eine Moschee. Auf der Fahrt dorthin, will ich schon ständig aussteigen, weil ich so tolle Gebäude sehe, die er einfach links liegenlässt. Vor der Moschee angekommen, verstehe ich warum! Das Portal ist das höchste einer Moschee im Iran und in seiner lapislazuliblauen Machart äusserst beeindruckend! Allein die riesigen mosaikgeschnitzten Holztüren! Vor jeder Moschee ist ein großes Wasserbecken, in dem die Leute, die zum Gebet kommen, sich Hände, Füsse und Gesicht waschen müssen. Ich lerne, dass die Wascherei und andere Vorbereitungen länger dauern als das Gebet selber, dass nämlich nur maximal 5 bis 7 Minuten in Anspruch nimmt.
Hadi wandert mit uns durch die Moschee und erklärt alles: Das ausgefeilte Belüftungssystem, wie man das Licht so bündelt, dass der Mullah immer angestrahlt wird, wie man die Akkustik gestaltet hat, damit sich der Schall über die ganze Moschee erstreckt (heute per Lautsprecher), was mich irgendwie an das Dach der Philharmonie erinnert, aus welcher Baumwolle die Bet-Teppiche gemacht sind, damit sie den Betenden im Sommer kühlen und im Winter wärmen…. hier vereinigt sich eine beeindruckende Fülle von Wissenschaften!
Ich erlebe das Mittagsgebet! Wie in der Kirche ist der Mullah vorne und betet vor, dann kommen Reihen von Männern (stehend, knieend, liegend – das wechselt in den paar Minuten Gebet oft!), dann Frauen (theoretisch – es waren heute keine da). Alle barfuß.
(Ich stehe weiter weg und darf diskret fotografieren.)
Für die Frauen gibt es nicht sichtbare Seitengänge, die sie benutzen, wenn sie Fragen an den Mullah haben, damit sie nicht durch die ganzen Männerreihen latschen müssen. Die Seitengänge kommen vorne unmittelbar beim Mullah raus!
Hadi führt uns durch diese höchstens zweigeschossige Stadt mit ihren rötlich-gelben Flachdach-Bauten, durch Gassen in einen Hinterhof und rein in ein unscheinbares Teppichgeschäft. Ha, denke ich – der Freund eines Freundes will auch Geschäfte machen? Ich bin überrascht, wie unaufdringlich die Besitzer dort sind – wir sind nämlich gar nicht wegen der Teppiche hier, nein nein – Hadi will mit uns nur auf deren Dach, weil man von dort so einen tollen Ausblick auf die Stadt hat !!!!
Und überraschenden Einblick auf einen Innenhof mit Springbrunnen, in dem es alte Keramik, Kelims, Schmuck und tausenderlei andere schöne Dinge gibt !! Wieviele solcher Innenhöfe mag es hier noch geben ???!!!
Der nächste Abstecher bringt uns zum Basar – es ist Siesta-Zeit (von 13 h bis 17 h) und so können wir viel Architektur bewundern, weil nichts anderes ablenkt.
Es sind so viele (überdachte) Bogen-Gänge und Abzweigungen, dass man sich komplett verlaufen und lange darin unterwegs sein kann. Hin und wieder rauschen Mopedfahrer da durch. Mal gibt es Ausgänge nach draussen, mal muss ein Teil komplett ausgeleuchtet werden, weil es keine Fenster gibt. Wir kommen an einem echten alten Bäcker vorbei, der in zwei Öfen gleichzeitig backt – das heiße Brot haben wir im Nu verputzt !!!!!
Weil wir dazu etwas zu trinken brauchen, führt uns Hadi noch um 3 Ecken – und peng! Wir stehen in einem unglaublich schönen, uraltem Innenhof!! Segeltuch als Schattenspender halb über den Innenhof gespannt, Wassergeplätscher, Friede, Liegestätten, Wärme, Prinzessinnen-Dasein!
Und so blieben sie denn dorten und hieben sich den Bauch mit warmem Brot und kaltem Doog voll, bis sie platzten









